Abenteuer-Wildblumen

Orchideen-Steckbriefe

 (Beschreibungen aus Literatur entnommen)

 (Handy bitte Quer)

Orchis simia  

Affen-Knabenkraut;

frz.: Orchis singe;

it.: Orchidea scimmia,

Orchidea omiciattola

Synonyme:

O. macra LINDLEY, 0. tephrosantha VI LL., 0. italica LAM.

Etymologie:

Lat. simia: Affe; gr. makros: gross; gr. tephros:                                                             

aschgrau; gr. anthos: Blume; lat. italicus: italienisch."                                                 

                                                            

Beschreibung:

Pflanze 20-45 (60) cm hoch; mit 2-5 elliptischen bis eiförmigen, 5-20 cm langen und 1,5-4,5 cm breiten, ungefleckten, bläulichgrünen, glänzenden Grundblättern und  1-2 scheidigen Stengelblät­tern; Blutenstand dicht- und reichblütig, kugelig bis eiförmig, von oben nach unten aufblühend; Brakteen 1-4 mm lang, häutig, grünlich oder gelblichweiss; Perigonblätter einen Helm mit aufgebogener Spitze bildend; Sepalen aussen weisslich, blasslila, gegen die Basis mit zart rötlichen Adern und Punkten, innen mit kräftigen lila- bis karminfarbenen Adern und Punkten, am Grunde miteinander verklebt; Petalen schmal lineallanzettlich; Lippe 14-20 mm lang, tief dreilappig, Mittelteil hellfarbig mit roten Punkten (Papillen), Seitenlappen und Zipfel des Mittellappens schmal linealisch, nur ca 1mm breit, bogig aufwärts gekrümmt  intensiv purpurrot oder karminrot gefärbt, in der Ausbuchtung ein verlängertes Zähnchen; Sporn 4-8 mm lang, zylindrisch, weisslich, abwärts gerichtet, nur etwa halb so lang wie der Fruchtknoten.                                                             

Blütezeit Mitte April bis Ende Mai.

Verbreitung:

Mittelmeergebiet, isolierte Vorkommen in West und  Mitteleuropa,  Kleinasien,   Iran,  Kaukasus, Nordafrika.                                   

Häufigkeit:

Selten.                                                             

Biotop:

Magerrasen, grasige Stellen zwischen Gebüsch, Waldränder, Waldwiesen, gern auf Kalk und Löss an sonnigen, milden Lagen. Vom Tiefland bis 600 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus der Westschweiz [Heusser1938] und Holland.

Hybriden:

   Mit Orchis militaris, O. purpurea, Aceras anthropophorum.       


 Ophrys benacensis

 Insubrische Ragwurz                                                    

 (Gardasee-Ragwurz)                                                    

 (Ophris Bertolonii)

 Synonyme:

 Ophrys bertoloniiformis 0. & E. DANESCH subsp.

 benacensis  REISIGL,   0.  bertolonii  MORETTI

 subsp. benacensis (REISIGL) DELFORGE, 0. sara-

 toi   E.G. CAMUS subsp.  benacensis  (REISIGL) 

 DEL PRETE

 Etymologie:                                      

 Lat. benacensis: Vom Benaco stammend,

Hinweis auf das Zentrum des Verbreitungsgebietes am Gardasee; bertolonii: nach Antonio Bertoloni (1775-1869); saratoi: nach C. Sarato (1830-1893), Konservator am Naturhist. Museum in Nizza."

 Beschreibung:

 Pflanze ziemlich robust, (10) 15-25 (30) cm hoch, 3-4 (7) blütig.  Blüten relativ gross. Sepalen leuchtend  purpurrosa   mit grünem  Mittelnerv, blassrosa oder grün und dann oft schmutzig purpurn überlaufen; die seitlichen breit lanzettlich, 10.5-14.5 mm lang und 5-7 mm breit. Petalen dunkel purpurn, seltener braunrot, 7-11 mm lang und 2.5-4 mm breit, seitwärts abstehend oder nach hinten gebogen, kurz behaart, am Rand und gegen die Spitze weisslich bewimpert, mit leicht gewelltem oder manchmal auch glattem Rand. Lippe meist ganzrandig, nur selten angedeutet bis deutlich dreilappig, samtig schwarzpurpurn mit  kurzer, brauner Randbehaarung, breit oval, 11-16 mm lang und 12-17 mm breit, flach bis konvex gewölbt, manchmal schwach attelartig aufgebogen, Ränder wenig zurückgeschlagen, ungehöckert bis schwach oder deutlich gehöckert, am apikalen Ende seicht eingebuchtet mit kleinem, grünem oder rötlichem, abwärts oder nach vorn gestrecktem, selten schwach aufwärts gebogenem Anhängsel. Mal gross, glänzend dunkelbraun, rotbraun oder rot- bis grauviolett, oft hell umrandet, in der Regel isoliert ungefähr in der Lippenmitte, mehr oder weniger schildförmig, selten mit der Lippenbasis verbunden und ein Basalfeld umschliessend. Narbenhöhle oft etwas breiter als hoch (im Gegensatz zur nahverwandten, mediterranen O. bertolonii mit  ausgesprochen schlanker, hoher Narbenhöhle). Staminodialpunkte fehlen.

 Blütezeit Ende März bis Mai.

 Häufigkeit:

 Sehr selten.

 Verbreitung

 Insubrien, von den Berghängen östlich von Corno längs der südlichen Bergamasker Alpen bis in die Provinz Treviso.

 In der Schweiz angesäht und halten sich sehr gut.                                         

 Biotop:

 Frische, nicht zu trockene Mäh- und Magerwiesen, felsige Trockenrasen, Ödland, grasige Olivenhaine, aufgelassene Rebhaine.  Vom Tiefland bis 850 m.

 Zytologie:

 Keine Untersuchungen.

 Hybriden:

 Mit Ophrys sphegodes.

 Anmerkungen: 

 0. benacensis gehört zum Ophrys bertoloniiformis-Aggregat. Das disjunkte Areal dieser Artengruppe besteht aus verschiedenen,  voneinander isolierten Teilarealen: Monte Gargano, Sizilien, Insubrien, Dalmatien, Riviera di Ponente bis Côte d‘Azur, Katalonien,   Balearen,    Département Drôme. Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass diese geographischen Bertoloniiformis-Populationen (inkl. 0. benacensis) mit grösster Wahrscheinlichkeit stabilisierte Bastardsippen sind. Die weitaus meisten ihrer Merkmale liegen intermediär zwischen denjenigen der vermutlichen Parentalarten, nämlich O. bertolonii einerseits und lokalen Arten aus dem 0. Sphegodes Aggregat andrerseits. So wurde es möglich, dass genetisches Material der  südlichen 0. Bertolonii durch Hybridisierung mit der besser an kühlere Klimata angepassten 0. sphegodes bis in nördlichere Gebiete Vordringen konnte.

 

Ophrys apifera

HUDSON var. apifera

Bienen-Ragwurz,

Bienentragende Ragwurz;

frz.: Ophrys abeille;

it.: Vesparia, Fior d'ape, Orchidea selvaggia

Synonyme:

0. rostrata TEN., 0. pseudo-apifera CALD.

Etymologie:

Lat. apis: Biene; lat. fero: ich trage; lat. rostrum:

Schnabel,  rostratus:   geschnäbelt  (wegen  des

S-förmig  geschwungenen   Konnektivfortsatzes;

gr. pseudos: unecht, falsch.

Beschreibung:

Pflanze 20-50 (70) cm hoch, 2-4 lebhaft grüne Laubblätter in einer Grundrosette und 4-7 Stengelblätter, grösste Blätter lanzettlich, ziemlich lang (6-13 cm lang und 1,5-2,8 cm breit). Blütenstand langgestreckt, locker mit 3-10 (17) Blüten. Brakteen  kräftig,   die  Blüten  überragend.   Sepalen weiss, rosa bis rot oder purpurn, oft zurückgeschlagen, eiförmig lanzettlich, an der Spitze häufig etwas eingezogen. Petalen rosa bis grünlich, dreieckig, geöhrt, 2,5-7 mm lang, behaart. Lippe tief dreilappig,  Mittellappen   kastanienbraun,  stark gewölbt mit zurückgebogener Spitze, in der Randzone behaart, mit grossem abwärts bis rückwärts gerichtetem Anhängsel; Seitenlappen herabgeschlagen, am Ansatz gehöckert, dicht behaart. Mal das hellbraune oder orangebraune Basalfeld umfassend, braun mit weisslicher Umrandung. Narbenrand mit zwei kleinen, roten, selten fehlenden Staminodialpunkten. Konnektivfortsatz lang, S-förmig gebogen.

Blütezeit Juni bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Süd- und Mitteleuropa (im Norden bis Südengland, Irland, Belgien), Nordafrika, Kleinasien.

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Halbtrockenrasen, Magerwiesen, zwischen Gebüsch,  lichte Föhren-,  seltener Buchenwälder, trockene Stellen in Flachmooren, nur auf Kalk.

Vom Tiefland bis gegen 1200 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Glattfelden ZH [Heusser 1938], weiter aus Holland und Sardinien.

Hybriden:

Mit Ophrys holoserica.                                 

Besonderheit:

O. apifera bestäubt sich regelmässig selbst, ist also obligat autogam. Entsprechend gut ist jedes Jahr der Fruchtansatz. Die über viele Generationen hinweg bestehende Inzucht könnte Grund dafür sein, dass O. apifera überdurchschnittlich

viele auffällige Varietäten hervorgebracht hat."              

Anmerkungen:

Die Zahl der pro Jahr zur Blüte gelangenden Individuen schwankt in ungewöhnlichem Mass, wie dies sonst bei keiner andern einheimischen Orchideenart bekannt ist. In grossen und unregelmässigen zeitlichen Abständen erfolgt ein massenhaftes Auftreten; in den folgenden Jahren blüht am selben Standort die Art überhaupt nicht oder nur in

vereinzelten Exemplaren. Über die Ursache dieser extremen Schwankungen im Blührhythmus ist nichts bekannt.


Äusserst seltene Varietät:                   

Ophrys apifera var. Bicolor (NAEGELI)

E. NELSON

Etymologie:

Lat. bicolor: zweifarbig.

Lippe ohne Mal, zweifarbig, basaler

Teil gelblich oder weisslichbraun,

apikaler Teil braun.

Himantoglossum hircinum

Gattung:

Himantoglossum

W.D.J. KOCH

Bocks-RiemenzungeBockorche;

frz.: Orchis bouc,

O. bouquin,

Monsieur le bouc,

Orchis barbe de bouc;"                                

it.: Barbone,

Fior cappoccia"                                

Synonym:

Loroglossum hircinum (L.) L.C.M. RICHARD

Etymologie:

Lat. hircus: Ziegenbock (wegen des Blütenge­

ruchs); gr. loros: Riemen.

Beschreibung:

Stattliche Pflanze 20-90 (120) cm hoch. Stengel kräftig, oben kantig. Am Grund 2-3 

Schuppenblätter, darüber zahlreiche (7-13), am Grunde etwas gehäufte, nach oben kleiner 

werdende Laubblätter, die   unteren fleischig, eiförmig lanzettlich, 6-15 cm lang und 3-5 cm 

breit, bläulichgrün, zur Blütezeit oft bereits welkend. Blütenstand bis 30 cm lang, dicht- und reichblütig, mit (20) 30-80 (120) Blüten. Brakteen häutig, 1-2mal so lang wie der Fruchtknoten, weisslich oder hellgrün, gegen die Spitze oft rötlich überlaufen. Blüten intensiv nach Ziegenbock riechend. Sepalen und Petalen helmförmig zusammenneigend, konkav, bleichgrün,  olivgrün,   grünlich-  oder  bräunlichweiss, oberseits grün geadert,  innen kräftig braunrot gestreift und punktiert. Sepalen eiförmig, die seitlichen 8,5-12,5 (14) mm lang und 4-7 mm breit.

Petalen linealisch, 7-10 mm lang und 1-2,5 mm breit. Lippe dreilappig, am Grund mit welligem Rand,  gelblich, bräunlichgrün  oder   schmutzig braunlila, im basalen Teil mit weisslichem Zentrum und karmin- bis purpurroten Flecken (Papillen); Mittellappen 3-6 cm lang, im Knospenzustand uhrfederartig eingerollt, zur Blütezeit riemenförmig,  schraubig   gedreht,  an  der Spitze 1,5-10 mm tief gespalten; Seitenlappen 10-20 (24) mm lang (ab Lippenbasis gemessen), linealisch, mehr oder weniger wellig, spitz. Sporn kegelförmig, 4-6,5 mm lang, abwärts gerichtet. Pollinien durch gemeinsame Klebscheibe verbunden.

Blütezeit Anfang Mai bis gegen Ende Juni.

Verbreitung:                                    

Westliches Mittelmeergebiet, West- und Mitteleuropa (nördlich bis Südengland).

Häufigkeit:

Selten. (Da setze ich ein Fragezeichen)                                 

Biotop:

Sonnige, grasige Hänge, Trockenrasen, Waldränder, lichtes Gebüsch, oft entlang von  Hecken (Windschutz!), in warmen Lagen, nur auf Kalk.

Vom Tiefland bis 800 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Glattfelden ZH [Heusser 1938], weiter aus Holland.

Hybriden:

Keine.                          

        

Epipactis atrorubens

 (HOFFM. ex BERNH.)

Braunrote-Stendelwurz, Dunkelrote 

oder Schwarzrote Stendelwurz/

Sumpfwurz/Sitter, Strandvanille;

frz.: Epipactis rouge/rouge foncé,

Epipactis rubens, Epipactis brun rougéit;

it.: Elleborine violacea, Elleborine crestata                                                         

Synonyme:

E. rubiginosa (CRANTZ) W.D.J. KOCH, E. atropur-

purea auct. (non RAFIN.), Hellebor. atropurpu-

rea SCHINZ & THELLUNG

Etymologie:

Lat. ater: schwarz, dunkel; lat. rubens: rötlich, rot

(seiend); lat. rubiginosus: rostrot; lat. purpureus:

purpurn.                                                            

Beschreibung:

Rhizom kurz, oft mit mehreren blühenden Trieben, Stengel 15-80 cm hoch, oben dicht flaumig behaart, fast stets purpurn überlaufen. Unten 2-3 Schuppenblätter, darüber 5-11 Laubblätter, mehr oder weniger zweizeilig angeordnet, der Abstand vom obersten Laubblatt zur untersten Blüte bedeutend länger als die übrigen Stengelabschnitte,

Laubblätter schmal- bis breit-eiförmig, 4-8 cm lang, 1-4 cm breit, zugespitzt, oft sichelförmig gebogen, dunkelgrün, auf der Unterseite rot überlaufen. Blütenstand bis 25 cm lang, mit 10-40 locker gestellten  Blüten,   oft  einseitswendig.  

Blüten:

ziemlich klein, purpurrot bis rotbraun, nach Vanille duftend. Blütenblätter leicht zusammenneigend bis weit abstehend, Sepalen eiförmig, 6-8 mm lang, Petalen wenig kürzer. Lippe 5-6 mm lang, Hypochil halbkugelig, innen dunkelviolett, Nektar produzierend, Epichil herzförmig, breiter als lang, mit 2 seitlichen runzeligen Wülsten, am Rande gekerbt. Fruchtknoten dicht flaumig behaart. Klebkörper vorhanden. Fremdbestäubung.                                                         

Blütezeit Juni bis August. 

Epipactis atrorubens blüht von allen einheimischen Epipactis-Arten am frühesten.

Verbreitung:

In Europa von der borealen zur meridionalen Zone, im Osten in der temperaten Zone bis Zentralsibirien, im Südosten bis zum Kaukasus.

Häufigkeit:

Im Jura, in den Voralpen und Alpen verbreitet, im Mittelland zerstreut.

Biotop:

Meist auf Kalkböden warmer, sonniger Lagen, helle Laub- und Nadelwälder (besonders Föhrenwälder), Kalkschutthalden,    Strassenböschungen, Pfeifengraswiesen mit wechselfeuchtem Untergrund, gerne in Gesellschaft von Ophrys insectifera. Kann als Pionierpflanze sekundäre Standorte (Kiesgruben, Strassenränder) besiedeln.

Vom Tiefland bis 2400 m.

Zytologie:

2n = 40 + 1-8  B-Chromosomen, Material aus Schaffhausen [Meili-Frei 1965], weiter aus Holland, Polen und Skandinavien.

Hybriden:

Mit Epipact. helleborine, E. microphylla, E. purpurata (?).

Variation:

Epipac. atrorubens variiert in der Blütenfarbe sehr stark. Es wurden verschiedene Farbvarianten beschrieben, z.B. mit weissen, gelblich-grünen oder gelblich-roten Blüten. Diese Farbabweichungen können in jeder Population auftreten. Sie sind taxonomisch belanglos.        


Dactylorhiza majalis (REICHENB.)

P. F. HUNT & SUMMERHAYES

Breitblättriges Knabenkraut, Breit-

blättrige Kuckucksblume

Breitblättrige Fingerwurz

frz.: Orchis à larges feuilles,

Orchis palmé des marais,

Orchis de mai

it.: Orchidea a larghe foglie,

Sconcordia oder Concordia

Synonyme:

Orchis latifolia L. p.p., D. fistulosa (MOENCH) H.

BAUMANN & KÜNKELE

Etymologie:

Lat. maialis: auf den Mai bezogen (betrifft den 

Beginn der Blütezeit); lat. fistulosus: röhrig; lat. lati-

folius: breitblättrig.

Beschreibung:

Pflanzen 15-40 (60) cm hoch; Stengel dick, hohl, im oberen Bereich kantig und dunkel purpurn überlaufen; Laubblätter 3-6 (9), mehr oder weniger breit   eiförmig-lanzettlich,  6-16   cm  lang  und 1,5-3,5 (5) cm breit, oberseits gefleckt, hie und da auch ungefleckt, oberstes Blatt den Blütenstand manchmal  erreichend;   Blütenstand  zylindrisch, dichtblütig; Brakteen breit, länger als die Blüten, dunkelpurpurn; Blüten in der Grösse sehr variabel, meist relativ gross, hell bis dunkel purpurn oder purpurrot; Lippe dreilappig mit vorgezogenem Mittellappen, manchmal auch ungeteilt, 5-10 mm

lang und 7-14 mm breit, Mittelteil heller gefärbt, mit meist auffälliger, akzentuierter Schleifenzeichnung, oft auch mit Punkt- oder Strichzeichnung in der Randzone; Sporn relativ dick, walzlich-konisch, schwach abwärts gebogen.

Blütezeit Mai bis August.

Verbreitung:

Submeridionales und temperates Europa (nördlich bis Südschweden, südlich bis Nordspanien, in Italien nur in den Alpen), Kaukasus.                                                                                                         

Häufigkeit:

Verbreitet.

Biotop:

Feuchte bis nasse Wiesen, Quellsümpfe, Flachmoore, Torfböden, nasse Gräben, lichte Waldstellen, Auen, bevorzugt nährstoffreiche Böden.

Vom Tiefland bis 2500 m.

Zytologie:

2n - 80, Material aus dem Kt. Zürich, der Linthebene und dem Avers GR [Heusser 1938], aus dem Kt. Bern [Vaucher 1966], weiter aus Dänemark, England, Holland, Österreich und Polen.

Hybriden:                                                                                         

Mit Dactylorh. cruenta, D. fuchsii, D. incarnata, D. lapponica, D. sambucina, D. traunsteineri, Acera. anthropophorum (?), Coelogloss. viride, Nigrite. nigra.

Problematik:

D. majalis ist in allen Belangen ausserordentlich variabel. Extreme Erscheinungsformen, z.B. mit schmaleren, ungefleckten Laubblättern oder mit relativ kleinen Blüten, können leicht missdeutet werden, gehören aber durchaus in den Variationsbereich von D. majalis. In den Alpen wachsen Pflanzen mit grossen, schwach- oder ungelappten Lippen, die von einzelnen Autoren als eigene Sippe betrachtet werden: D. majalis subsp. Alpestris (PUGSLEY) SENGH. Da aber im Alpenraum solche Formen mit ungelappter Lippe zerstreut unter gelappten Formen auftreten, u.W. also keine selbständigen Populationen bilden, ist  die   Berechtigung einer taxonomischen Abtrennung zu bezweifeln.

Siehe auch die Anmerkungen zu Dactylorhiza lapponica Lappland-Knabenkraut. 


Dactylorhiza lapponia

ex HARTMAN)

Lappland-Knabenkraut,

Lappländische Kuckucks-

blume/Fingerwurz

Synonyme:

Orchis lapponica 

(LAEST. ex HARTM.) REICHENB.

fil., 0. pseudocordigera NEUMAN, D. traunsteineri 

subsp. lapponica (LAEST. ex HARTMAN) SOÓ,

D. cruenta subsp. lapponica (LAEST. ex HART­

MAN) E. NELSON, D. majalis subsp. lapponica

(LAEST. ex HARTMAN) SUNDERMANN                                

Etymologie:

Lat. lapponicus: lappländisch; gr. pseudos: falsch,

unecht; lat. cordiger: herztragend (bezieht sich auf

die herzförmige Lippe).

Beschreibung:

Pflanzen 10-30 cm hoch, Stengel verhältnismässig dick, hohl, im oberen Bereich meist violett überlaufen, Laubblätter 2-5 (meist 3), mehr oder weniger gleichmässig über den Stengel verteilt, schmal- bis breit-lanzettlich, 2,5-7,5 (9) cm lang

und (0,4) 0,6-1,8 (2,4) cm breit, vom Stengel abstehend,   oberseits gefleckt.  Blütenstand zylindrisch, locker- und armblütig (3-20 Blüten). Blüten mittelgross bis klein, dunkel purpurn bis rotpurpurn: Lippe dreilappig bis ganzrandig herzförmig, 4,5-8 mm lang und (6) 7-10 (12) mm breit; Sporn kegelförmig, gerade bis leicht abwärts gebogen.

Blütezeit Juni bis Mitte August.                                             

Verbreitung:

Mittel- und Nordskandinavien, Grossbritannien, in den Alpen für die Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien (Dolomiten) nachgewiesen.

Häufigkeit:

Im Alpengebiet wahrscheinlich verbreiteter, aber noch zu wenig erforscht.                                                     

Biotop:

Nährstoffreiche Flachmoore, Hangmoore, Bachufer, lehmige Rutschhänge, oberflächlich trockene Kalk- oder Dolomitschotterhänge, seltener auf Flysch- und Silikatböden.

Von 500 bis 2000 m.

Zytologie:

2n = 80, Material aus Norditalien [Baltisberger 1985], weiter aus Norwegen.

Hybriden:

Mit Dactylorh. fuchsii, D. majalis, D. traunsteineri.          

Problematik:

D. lapponica ist ausgesprochen variabel; auf der einen Seite des Formenspektrums besteht eine Ähnlichkeit zu D. majalis, auf der anderen Seite zu D. traunsteineri. Die manchmal ziemlich breitlanzettlichen, stark gefleckten Laubblätter, der dickliche, hohle Stengel und die dunkel rotpurpurnen Blüten repräsentieren die Tendenz zu D. majalis die geringe Zahl der in einigen Populationen mehr oder weniger schmallanzettlichen Laubblätter, der im oberen Bereich oft violett überlaufene Stengel und die lockerblütige Infloreszenz erinnern manchmal an D. traunsteineri. Diese Tatsache dürfte dafür verantwortlich sein, dass D. lapponica im Alpenraum so lange verkannt oder missdeutet worden ist. Erst vor wenigen Jahren konnte der Nachweis für die Identität alpiner und skandinavischer Populationen erbracht werden (Reinhard 1985).              

            

Epipactis helleborine

Breitblättrige Stendelwurz                                       

oder Grüne Stendelwurz/Sumpf-

wurz/Sitter;         

frz.: Epipactis à larges feuilles;         

it.: Epipattide elleborine,                                                            

Mughetto pendolino, Elleborine crestata

Synonyme:

E. latifolia ALL., E. viridans G. BECK, Helleborine

latifolia MOENCH

Etymologie:

Gr. helleboros: Bei Theophrast der Name für

Veratrum (Germer), dessen  Blätter denjenigen

unserer E. helleborine ähnlich sehen; lat. latus: breit;

lat. folium: Blatt; lat. viridans: grün (seiend).                                                     

Beschreibung:

Pflanze mit kurzem, dickem  Rhizom, Wurzeln fleischig. Stengel aufrecht, 20-110 cm hoch, unten kahl, oberwärts kurz weisslich flaumhaarig  Blütenstand und Fruchtknoten behaart. Unten 2-4 Schuppenblätter,   darüber 4-12  stark geaderte

Laubblätter. Grösste Laubblätter eiförmig bis lanzettlich, abstehend, selten rundlich und aufrecht,6-17 cm lang (etwa so lang wie 2 Internodien), nach oben kleiner werdend, die obersten tragblattartig. Blütenstand bis 35 cm lang mit meist vielen,locker bis sehr dicht stehenden Blüten. Tragblätter lanzettlich, abstehend, die untersten die Blüten weit   überragend.  Blüten  mittelgross,   grünlich, meist rot oder violett überlaufen, vor dem Aufblühen nickend. Blütenblätter weit abstehend, eiförmig, Sepalen 8-12 mm, Petalen 7-11 mm lang. Lippe 9-11 mm lang, Hypochil innen oliv bis dunkelbraun, napfförmig, 4-6 mm lang, Nektar führend, Epichil weisslich, rot oder hellviolett überlaufen, herzförmig, so breit wie lang, mit zurückgekrümmter Spitze, bis 5 mm lang, am Grunde mit 2 glatten  Höckern.   Klebkörper  gut  entwickelt, weisslich, kugelförmig. Fremdbestäubung.

Blütezeit Mitte Juni bis Anfang September.                                                

Verbreitung:

Mitteleuropa und südliches Nordeuropa, westliches Asien, Kaukasus, Pakistan, Himalaya, Sibirien, in Nordamerika eingebürgert.

Häufigkeit:

In allen Regionen verbreitet.

Biotop:                                                

Buchen- und Laubmischwälder, Fichtenwälder in Gebirgslagen,  Waldwiesen,   Waldränder,  Kahlschläge, Magerwiesen in Waldnähe, auf trockenen, lockeren und kalkreichen Böden, selten auf schwach saurem Sandstein.

Vom Tiefland bis 1800 m.                                                           

Zytologie:

2n = 38, 39 und 40, Material aus Schaffhausen [Meili-Frei 1965]; 2n = 38, Material aus Holland, Polen, Sardinien; 2n = 40, Material aus Dänemark, den Karpaten und der Tatra.

Hybriden:

Mit Epipactis atrorubens, E. microphylla, E. purpurata                                  

Anmerkungen:

Epipactis helleborine variiert so stark in Habitus, Blütenform und -färbung, dass eine klare Umgrenzung der Art nicht immer eindeutig möglich ist. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass von der Normalform   abweichende  Einzelexemplare  oder Kleinpopulationen als eigene Taxa beschrieben worden sind. Unter anderem wird eine Form mit

kurzen, reduzierten, löffelförmigen Blättern und mit hellgrünen Blüten als var. orbicularis K. RICHTER bezeichnet. Sie wächst zusammen mit der Normalform meist an hellen Standorten in Mittelbünden, aber auch aus dem Wallis und dem Puschlav liegen Fundmeldungen vor. Sie blüht früher als die Normalform. Epipactis helleborine wird im Normalfall fremdbestäubt. Darauf weisen das gut ausgebildete Rostellum und der Nektar im Hypochil hin. Es wird aber auch von Formen berichtet, die sich selbst bestäuben, wenn nicht innerhalb von 1-2 Tagen nach Blühbeginn Fremdbestäubung stattgefunden hat. Die Klebkörper vertrocknen, und die Pollinien fallen zerbröckelnd auf die

Narbe. E. helleborine bildet, im Gegensatz zu Epipactis purpurata und E. muelleri, oft blütenlose Sprosse aus.


Eine dunkelgefärbte Varietät der

Epipactis helleborine

Sie ist üppiger, grösser und blüht früher als die "Normale"

Dactylorhiza incarnata

Fleischfarbenes Knabenkraut od.

Fleischrotes Knabenkraut,

Fleischrote Kuckucksblume/Fingerwurz;

frz.: Orchis incarnat,

Orchis à fleurs carnées;

it.: Orchidea palmata

Synonyme:

Orchis incarnata L., O. strictifolia OPIZ, D. strictifolia (OPIZ) RAUSCHERT

Etymologie:

Lat. incarnatus: zu Fleisch geworden (Hinweis auf die Blütenfarbe);

lat. strictus: straff, steif; lat. folium: Blatt.

Beschreibung:

Pflanzenhöhe (15) 25-60 (80 ) cm. 3-7 Laubblätter, saftig grün bis gelblichgrün,

 meist schmal lanzettlich, bis 20 cm lang und bis 3,5 cm breit, straff aufwärts 

gerichtet oder etwas zurückgebogen, gekielt bis gefaltet, in der Regel ungefleckt (Ausnahmen: var. haematodes, var. hyphaematodes), Blattspitze der oberen Blätter kapuzenförmig eingezogen, oberstes Blatt den Blütenstand meist erreichend, gelegentlich sogar überragend; Stengel dick, hohl, oberwärts kantig, auch im Bereich des Blütenstandes saftig grün; Blütenstand mehr oder weniger viel- und dichtblütig,  Blütenzahl 10-40 (50); Brakteen gross, grün, höchstens leicht purpurn überlaufen, die unteren einwärts, d.h. der

Blütenstandsachse  zu   gebogen.  Blüten  relativ klein, hell bis dunkel fleischfarben. Farbvarianten ziemlich häufig (weisslich, rosa). Lippe seicht dreilappig, flach oder mit mehr oder weniger nach unten   gebogenen  Seitenlappen  und   vorgezogenem Mittellappen, im etwas helleren Mittelteil mit akzentuiertem, einfachem oder doppeltem

Schleifenmuster. Sporn konisch, bis 10 mm lang und bis knapp 3,5 mm dick, waagrecht bis leicht abwärts gebogen.

Blütezeit Anfang Mai bis Ende Juli.

Verbreitung:

In Europa und Vorderasien von der submeridionalen zur borealen Zone, vom Atlantik bis fast zum Pazifik in Ostsibirien, im Kaukasus und in den Gebirgen Turkestans, fehlt im Mittelmeergebiet mit Ausnahme Nordspaniens, Norditaliens, des

Nordbalkans und der Nordwesttürkei (Pontus).

Häufigkeit:

Verbreitet, gebietsweise seltener.

Biotop:

Feuchte bis nasse, moorige Wiesen, Flachmoore, in Seggen-, Binsen- und Schilfbeständen, in Bruchwäldern, selten in Hochmooren, auf basenreichen und stickstoffarmen Böden.

Vom Tiefland bis 1900 m.

Zytologie:

2n = 40, Material aus dem Kt. Zürich, der Linth-

ebene, aus Liechtenstein [Heusser 1938], aus den Kt. Bern und Waadt [Vaucher 1966], ferner aus dem Altai, aus Dänemark, Holland und Schweden.

Hybriden:

Mit Dacty. cruenta, D. fuchsii, D. majalis, D.ochroleuca, D.traunsteineri, Anteriorchis coriophora (?), Gymnadenia conopsea, Orchis palustris (?).

Problematik:

Die grosse Variabilität der Art hat dazu geführt, dass insgesamt über 60 Namen (Arten, Unterarten, Varietäten und Formen) publiziert wurden, in der Absicht, den Komplex zu gliedern. Verschiedentlich gaben dabei aber Extremformen innerhalb der natürlichen Variabilität oder auch lokalökologische Sonderheiten Anlass zu diesem Vorgehen. Wir erachten es als wenig sinnvoll, all diesen Varietäten und Spielformen taxonomische Bedeutung zu geben.

Synonyme:

Dactylorhiza incarnata subsp. serotina

(HAUSSKN.) D. M. MOORE & SOÓ

Etymologie:

Lat. pulchellus: niedlich; lat. serotinus: spät wachsend.

Beschreibung:

D. incarnata subsp. pulchella unterscheidet sich in einer Reihe von Merkmalen vom Typus:

-  die Blütezeit setzt am selben Standort mindestens 3-4 Wochen später ein

-  der Habitus ist ausgesprochen schlank, der Wuchs kaum höher als 40 cm

-  die Laubblätter sind lang, schmal, gefaltet und sehr steil aufwärts gerichtet

-  der Blütenstand ist relativ kurz, zuerst extrem kegelförmig, dann eiförmig; zu Beginn der Blütezeit wird er von den oberen Laubblättern weit überragt

-  die Blütenfarbe ist intensiv rot bis rotpurpurn

Problematik:

Es ist bis heute übersehen worden, dass auch auf unseren Nasswiesen und Flachmooren Dactylorhiza incarnata da und dort in zwei Schüben zur Blüte gelangt. Die Differenzen zwischen den zwei Phänotypen sind so deutlich, dass eine taxonomische Trennung gerechtfertigt scheint. Das Verbreitungsgebiet der spätblühenden Unterart ist nicht bekannt.


Ophrys insectifera

Fliegen-Ragwurz,

Fliegentragende Ragwurz;

frz.: Ophrys mouche;

it.: Vespario, Pecchie, 

Fior mosca, Calabrone,

Ofride insettifera 

 Synonyme:

0. muscifera HUDSON, 0. myodes JACQ.

Etymologie:

Lat. insectiferus: insektentragend; lat. musciferus:

fliegentragend; gr.  mys,   Genitiv myos:  Maus;

myodes: mausartig.

Beschreibung:      

Pflanze 15-40 (80) cm hoch, Laubblätter länglichlanzettlich;  Blutenstand   langgestreckt,  locker 2 -blütig; Sepalen grün, konkav, die seitlichen mehr   oder weniger  eiförmig;  Petalen   dunkel bräunlich-purpurn, schmal linealisch, behaart;

Lippe ungehöckert, bräunlich, oft rötlich-violett getönt, papillös, tief dreilappig, bis 15 mm lang, meist länger als breit, Mittellappen tief eingebuchtet,  ohne Anhängsel;  Mal flächig-schildförmig, graublau; Basalpartie etwas vorgewölbt, dunkel, am Grund mit zwei schwarzen Schwielen; Konnektiv stumpf, ohne Fortsatz; Staubbeutel intensiv rotorange; Staminodialpunkte fehlend.

Blütezeit Ende April bis Ende Mai.

Verbreitung:

Mittel- und nördliches Südeuropa (nördl. bis Norrland in Skandinavien und bis Südfinnland, Onega-Karelien), in der submeridionalen und temperaten Zone Europas verbreitet, im kontinentalen Osteuropa selten, in der meridionalen Zone und in der borealen Zone vereinzelt.

Häufigkeit:

Zerstreut, selten geworden.

Biotop:

Lichte Föhren-, Föhren-Eichen-Wälder, besonders Jungwälder, Halbtrockenrasen, Magerwiesen bis in den Legföhrengürtel, steinige Abhänge, Wacholdertriften,  Flussauen,   auf  überwachsenem Bachkies,  seltener Sumpfwiesen,  Flachmoore, auf sonnenexponierten oder halbschattigen, mässig trockenen bis wechselfeuchten Kalk- oder Dolomitböden.

Vom Tiefland bis 1900 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Glattfelden ZH [Heusser 1938], weiter aus Gotland und Holland.

Hybriden:

Mit Ophrys araneola, 0. holoserica, O. sphegodes.

Anmerkungen:

Ophrys insectifera besiedelt wie Epipactis atrorubens, Gymnadenia conopsea und  Dactylorhiza fuchsii gerne Sekundärstandorte  (z.B.   kleinere Steinbrüche oder Böschungen   neu angelegter oder verbreiteter Strassen).

 

Cypripedium calceolus

Frauenschuh,

Marienschuh;

frz.: Sabot de Vénus, Sabot des Alpes,

Sabot de Marie, Pantoufle de la Vierge;

it.: Scarpetta di Venere,

Pianella della Madonna, Farfallone;

romanisch: S-chiarpes del Segner,

S-charpetta, Pantofflas

Synonym:

Calceolus marianus CRANTZ

Etymologie:

Lat. calceolus: der kleine Schuh; lat. marianus:

Maria zugeordnet.

Beschreibung:

Pflanze mit fast horizontal kriechendem Rhizom, nicht selten kleinere oder grössere Horste bildend.

Stengel bis 60 (70) cm hoch, 3-5 grosse, breitelliptisch-eiförmige   bis  länglich-lanzettliche,  kräftig geaderte, bis 18 cm lange, in der Knospenlage eingerollte Laubblätter. Blütenstand meist einblütig, gelegentlich zweiblütig  (Paarfuss),

 sehr selten dreiblütig (Dreifuss) (mein Fund stammt aus dem Tösstal). Brakteen laubblattartig. Blüte mit abwärts orientierter Lippe, hervorgerufen nicht durch  eine   eigentliche  Resupination,  sondern durch einen gebogenen Fruchtknoten (Streckung bei der Reife). Sepalen rotbraun, 3,5-5 cm lang, die beiden seitlichen völlig oder bis auf zwei freie Spitzchen verwachsen, sehr selten bis zum Grund getrennt. Petalen rotbraun, 4-6 cm lang, spiralig gedreht. Lippe gelb, pantoffelförmig, 3-4 cm lang, am Grunde rot punktiert. Säule mit zwei fertilen und einem sterilen Staubblatt, letzteres flächig, etwa 1 cm lang und gestielt, die schildförmige Narbe überdeckend. Perigon ganz selten gelb bis gelbgrün: Diese Farbvariante wird Goldschuh genannt.

Blütezeit Mitte Mai bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Montane Art, von der submeridionalen und temperaten bis in die boreale Zone, Mittel-Nord-Europa, N-Italien, Balkan, Kaukasus, Sibirien, Korea, China.

Häufigkeit:

Im Jura, im Mittelland und auf der Alpensüdseite selten geworden, im Voralpen- und Alpengebiet etwas häufiger.

Biotop:

Lichte Ahorn- und Ahorn-Buchenwälder, Schluchtwälder, Gebüschzonen bis in den Legföhrengürtel, schattige Laub- und Nadelwälder,  Bergwälder, Heidewälder, Auen, an steinigen, buschigen Stellen, auf humusüberdeckten Kalk- und olomit­

böden. Vom Tiefland bis 2000 m.

Zytologie:

2n = 22, Material aus dem Gardaseegebiet und Österreich; 2n = 20, Material aus Polen.

Hybriden:

Keine.

Anmerkung:

An Alle, welche gedenken diese auszugraben und im eigenen Garten anzupflanzen, sei gesagt: "es ist Sinnlos, weil diese Pflanzen unweigerlich eingehen werden !"


Dactylorhiza fuchsii

Fuchs-Knabenkraut

Kuckucksblume/Fingerwurz;

frz.: Dactylorchis de Fuchs

Synonyme:

Orchis fuchsii DRUCE, 

D. maculata subsp. meyeri

(REICHENB. fil.) TOURNAY, D. maculata subsp.

fuchsii (DRUCE) NYL.

Etymologie:

Leonhard Fuchs (17.1.1501-10.5.1566), Professor der Medizin und mehrmals

Rektor der Universität in Tübingen, Verfasser zahlreicher medizinischer Werke und berühmter Kräuterbücher; Carl Anton Meyer (1795-1855), Direktor des Bot. Gartens in Petersburg.

Beschreibung:

Pflanzenhöhe (10) 15-50 (80) cm; Stengel vollmarkig, im oberen Bereich kantig; Laubblätter 5-10, in der  Regel   gefleckt,  unterstes  Laubblatt   breit, stumpf, umgekehrt eiförmig oder zungenförmig, die oberen tragblattartig, das oberste weit von der Blütenähre  entfernt;   Blütenstand  kegelförmig, dichtblütig; Brakteen kürzer als die Blüten; Blütenfarbe variabel, purpurn, rosa, helllila, malvenfarbig bis weiss; Lippe ausgebreitet, 6-10 (12) mm lang, 7,5-15 (19) mm breit, tief dreilappig, Mittellappen im Vergleich zu den mehr oder weniger rhombischen Seitenlappen gross und vorgezogen, Lip­ penzeichnung meist reich und kräftig mit Schleifenmuster,  Punkten und Strichen. Sporn zylindrisch, 6-12 mm lang, 1,4-2,5 mm dick.

Blütezeit Mitte Mai bis Mitte August.

Verbreitung:

Europa, Asien.

Häufigkeit:

Verbreitet und häufig.

Biotop:

Auf alkalischen, aber auch auf sauren Böden, in Mooren, auf trockenen bis mässig feuchten Wiesen, Weiden, in Wäldern, an Strassenrändern.

Vom Tiefland bis 2300 m.

Zytologie:

Die Maculata- und Fuchsii-Formenkreise lassen sich durch zytologische Analysen nicht überall eindeutig trennen. Die vielen vorliegenden Angaben ergeben ein verwirrendes Bild:

2n = 40, Material aus Raat ZH [Heusser 1938], aus den Kt. Bern und Waadt [Vaucher 1966]; weiter aus Dänemark, Niederösterreich, Polen, Schweden; 2n = 80, Material aus den Kt. Zürich, Graubünden und Tessin [Heusser 1938], aus den Kt. Bern und Neuenburg [Vaucher 1966]; weiter aus Dänemark, Finnland, Island, Österreich, Schweden; 2n = 80, 100, 120, Material aus Holland; 2n = 60, Material aus dem Kt. Graubünden [Meili-Frei in Schmid, W. et al. 1974], aus der Westschweiz [Vaucher 1966]; aus Österreich [Groll 1965]

Hybriden:

D. fuchsii ist eine unserer bastardierungsfreudigsten Arten. Allein für das Gebiet der Schweiz sind die folgenden Kombinationen nachgewiesen:

Mit Dactylorhiza cruenta, D. incarnata, D. lapponica, D. maculata, D. maialis, D. sambucina, D. traunsteineri, Anacamptis pyramidalis, ( ?, wohl falsche Interpretation einer hyperchromen D. fuchsii), Coeloglossum viride, Gymnadenia conopsea, Gymnadema odoratissima, Nigritella nigra, Pseudorchis albida.

Problematik:

In der Kontaktzone von D. fuchsii und D. maculata, d.h. in Übergangsbiotopen von alkalischen zu sauren Böden, treten Zwischenformen auf, die nicht eindeutig dem einen oder andern Taxon zugeordnet werden können (vgl. die ausführlichen Anmerkungen bei D. maculata).


Dactylorhiza maculata

Geflecktes Knabenkraut

Gefleckte Kuckucksblume/Fingerwurz;

frz.: Orchis tacheté/maculé;

it.: Concordia, Erba d'Adamo,

Orchidea macchiata,

Giglio basilico

Synonym:

Orchis maculata L.

Etymologie:

Lat. macula: Fleck, maculatus: gefleckt.

Beschreibung:

Pflanzen  15-60   cm  hoch;  Stengel   vollmarkig;

Laubblätter (4) 5-10 (12), meist gefleckt (in einzelnen lokalen Populationen ungefleckte Blätter gehäuft auftretend) , das unterste schmal und spitz lanzettlich, die obersten tragblattartig; Blütenstand kegelförmig bis zylindrisch, dichtblütig; Brakteen kürzer als die Blüten; Grundfarbe der Blüten zart altrosa bis intensiv dunkelrosa, gelegentlich auch weiss, Lippe ausgebreitet, seicht dreilappig, Mittellappen klein, oft kürzer als die rundlichen Seitenlappen, Lippenzeichnung mit gelegentlicher Tendenz zur Auflösung in Striche und Punkte. Sporn zylindrisch, 4-12 mm lang, 0,5-2,5 mm dick.

Blütezeit Juli bis Mitte August.

Verbreitung:

West-, Nord- und Mitteleuropa. Viele Angaben aus weiteren Gebieten sind unklar, weil nicht differenziert wird zwischen dem Maculata- und dem Fuchsii-Formenkreis.

Problematik:

In den schweizerischen Florenwerken führt man bis heute den vielgestaltigen Formenkomplex der gefleckten Fingerwurz unter dem Sammelbegriff Dactylorhiza (Orchis) maculata. Vielfach hat sich aber die Auffassung des englischen Botanikers Druce durchgesetzt, dass aufgrund der Blatt- und Lippenform eine grobe Gliederung in zwei Komponenten den natürlichen Gegebenheiten am besten entspricht:

Verbreitungskarte für D. maculata und D. fuchsii. Eine Differenzierung ist beim aktuellen Kenntnisstand nicht

möglich (vgl. Text).

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Saure, feuchte bis nasse Böden, Heidewiesen, Sumpfwiesen, Hochmoore. Höhenverbreitung in der Schweiz ungewiss, im Jura 900-1100 m.

Zytologie:

Siehe unter D. fuchsii.

Hybriden:

Mit Dactylorh. fuchsii, D. majalis, D. sambucina (die meisten Angaben aus der Schweiz beziehen sich auf Hybriden mit D. fuchsii).


Ophrys sphegodes

Gewöhnliche Spinnen-Ragwurz

Spinnentragende Ragwurz,

Wespen-Ragwurz;

frz.: Ophrys araignée;

it.: Calabrone, Fior ragno,

Ragno minore,

Ofride verde-bruna

Synonym:

0. aranifera HUDSON

Etymologie:

Gr. sphegodes: wespenähnlich (sphex: Wespe);

lat. aranea: Spinne, lat. fero: ich trage; zusammen­

gesetzt also wespen- bzw. spinnentragend.

Beschreibung:

Pflanze bis 45 cm hoch; Laubblätter breit lanzettlich; Blütenstand locker, mit 2-8 (10) Blüten; Sepalen grün, manchmal weisslichgrün, selten rosafarben («arachnitiforme» Variante); Petalen mindestens halb so lang wie die Sepalen, gelbgrün bis braunrot, kahl, linealisch, stumpf, mit meist gewelltem Rand; Lippe 9-13,5 mm lang und 11-16,5 mm breit, braun, ungeteilt oder schwach, selten tief dreilappig, ungehöckert bis kräftig gehöckert, basale Randpartien kurz bis kräftig behaart, Lippenspitze ausgerandet, ohne oder nur mit kleinem Anhängsel; Mal graubraun, stahlblau mit oft hellerem Rand, meist mehr oder weniger H-förmig; Konnektivfortsatz spitzlich; Pollinien gelblich; Staminodialpunkte in der Regel fehlend.

Blütezeit Ende März bis Ende Mai.

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa, nördlich bis Südengland, Belgien.

Häufigkeit:

Sehr selten.

Biotop:

Föhren- und  Föhren-Eichen-Wälder,  Magerwiesen, Halbtrockenrasen, aufgelassene Weinberge, Flussauen, zwischen Wacholdergebüsch, immer auf Kalk.

Vom Tiefland bis 1000 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Lugano TI [Heusser 1938].

Hybriden:

Mit Ophrys araneola (im französischen Jura), O. benacensis, O. holoserica, O. insectifera.

Anmerkung:

Die von  MILLER   beschriebene 0. Sphegodes stammt aus Südengland (terra typica). Die schweizerischen und süddeutschen Populationen stimmen in Bezug auf die quantitativen und qualitativen Blütenmerkmale mit den englischen überein.

 

Ophrys araneola

REICHENB.

Kleine Spinnenragwurz

frz.: Ophrys litigieux

Synonyme:

O. litigiosa E.G. CAMUS, O. sphegodes subsp.

Litigiosa (E. G. CAMUS BECHERER, O. tommasinii

VIS.

Etymologie :

Lat. : aranea : Spinne ; lat. litigiosus : strittig,

umstritten; tommasinii: Nach Muztio Giuseppe

Spirito de tomasini (1794 – 1879), österreichisch-ungarischer Botaniker

Beschreibung:

Pflanze 12-40 cm hoch, 2-12blütig, Sepalen grün, selten weisslich-rosa («arachnitiforme» Variante); Petalen grün, kahl, mit meist gewelltem, gelblichem Rand; Lippe 6,5-9,5 mm lang und 7,5-11, mm breit, rötlich bis schwärzlich braun, grünlichbraun, mit kahlem, gelbem Rand, basale Randpartien behaart, Lippenspitze ausgerandet, Anhängsel fehlend oder sehr klein; Mal mehr oder weniger H-förmig, bräunlich-rötlich, stahlblau-grauviolett;  Pollinien   gelblich;  Konnektivfortsatz  kurz spitzlich; Staminodialpunkte in der Regel fehlend.

Blütezeit April bis Mai.

Verbreitung:

Zwei Teilareale:

a) araneola,  «litigiosa»: NE-Spanien bis Mittelfrankreich und Jura, zerstreut bis Thüringen.

b) «tommasinii»: Istrien, Dalmatien.

Häufigkeit:

Selten, in einigen Juragegenden zerstreut.

Biotop:

Magerwiesen, Halbtrockenrasen, lichte Föhrenwälder, auf mässig trockenen bis frischen, basenreichen Böden.

Vom Tiefland bis 800 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Glattfelden ZH [Heusser 1938],

Hybriden:

Mit Ophrys holoserica, 0. insectifera, 0. sphegodes (im französischen Jura).

 

Listera ovata.

Grosses Zweiblatt

Eiförmiges Zweiblatt, Eiblättrige 

Listere;

frz.: Grande Listère, Double feuille;

it.: Bifoglia, Listera maggiore, 

Giglio verde

Synonyme:

Ophrys ovata L., Neottia latifolia L.C.M. RICHARD,

L. multinerva PETERM.

Etymologie:

Lat. ovatus: oval, eiförmig; lat. latus: breit; lat. folium:

Blatt; lat. multus: viel, mehrfach; lat. nervus: Nerv.

Beschreibung:

Unscheinbare, anspruchslose Pflanze, 20-60 cm hoch, oben deutlich behaart, am Grunde mit 2-3 braunen und zwischen Laubblättern und Blutenstand mit 1-3 grünen Schuppenblättern. Laubblätter 2, beinahe gegenständig, breit oval, deutlich genervt, 4-12 (15) cm lang, 3-8 cm breit, oberseits matt. Blütenstand reich-, bis über 60blütig. Blüten grün bis gelbgrün, kurz gestielt. Sepalen und Petalen mässig gegen vorne gekrümmt, Sepalen 2-3 mm, Petalen 1-2 mm breit, beide je etwa 4-6 mm lang. Lippe 8-16 mm lang, tief zweispaltig mit stumpfen Lappenenden. Nektarium (Nektarnapf) an der Lippenbasis beidseits von Leisten begrenzt und nach vorn auf der Lippenfläche in eine Furche übergehend, häufig einen deutlich sichtbaren glänzenden «Nektarfaden» enthaltend. Sporn fehlt.

Blütezeit Mai bis Mitte August.

Häufigkeit:

Fast überall verbreitet; wohl die häufigste Orchideenart der Schweiz.

Verbreitung:

Europäisch-westasiatisch,  von   der  Iberischen Halbinsel bis Ural, Westsibirien, Himalaja.

Biotop:

Laubmischwälder, Gebüsche, Riedwiesen, Hangmoore, Auen, Magerwiesen, Gärten und Weiden.

Vom Tiefland bis 2300 m.

Zytologie:

Meist 2n = 34, aber auch 35-38, Material aus der Schweiz [Meili-Frei   1965]; weiter aus Belgien, England,   Finnland,  Holland,  Island,   Polen  und Skandinavien;  2n  = 32-42  (nach  Sundermann 1980).

Hybriden:

Keine.

Anmerkung:

Die unscheinbaren Blüten werden von einer auffällig grossen Zahl von Insektenarten bestäubt, so u.a. von verschiedenen Käfern, Fliegen, Schlupfwespen und sogar Ameisen.


Platanthera chlorantha

(CUSTER) REICHENB.)

Grünliche Waldhyazinthe

Kuckucksblume,

Grünliches Breitkölbchen,

Berg-Breitkölbchen;

frz.: Orchis de montagne,

Platanthère verdâtre;

it.: Platantera verdastra

Synonyme:

P. montana REICHENB. fil., P. virescens K. KOCH,

Orchis chlorantha CUSTER,

Orchis virescens ZOLLIKOFER

Etymologie:

Gr. chloros: blassgrün, grüngelb; lat. montanus:

berg-; lat. virescens: grünend.

Beschreibung:

Pflanze mit 2 eiförmig-länglichen Knollen. Stengel 20-80 cm hoch, hellgrün. 1-3 scheidige Schuppenblätter, 2-3 grosse Laubblätter nahe am Boden, diese oval bis breit-lanzettlich, 6-15 (20) cm lang und 2-5 (6) cm breit, kahl, fettglänzend, am Stengel 3-5 tragblattähnliche Blätter. Blütenstand zylindrisch, 5-20 cm lang, locker und meist vielblütig. Tragblätter lanzettlich, so lang wie der Fruchtknoten. Blüten weisslichgrün. Seitliche Sepalen schief-eiförmig, stumpf, abstehend, 9-12 (14) mm lang, 3-7 mm breit. Mittleres Sepalum breit-herzförmig, stumpf, 5-8 mm lang, mit den Petalen helmförmig zusammengeneigt. Petalen linealisch lanzettlich, oft sichelförmig gebogen, kürzer als die seitlichen Sepalen. Lippe abwärts gerichtet, ungeteilt, zungenförmig, 10—18 mm lang und 2,5-4,5 mm breit, hellgelbgrünlich. Sporn waagrecht, fadenförmig, 20-45 mm lang, viel länger als der Fruchtknoten, am Ende seitlich flachgedrückt und verbreitert. Pollenfächer nach unten weit auseinanderspreizend.

Blütezeit Mitte Mai bis Anfang August.

Verbreitung:

Europa und Vorderasien, von der meridionalen zur temperaten Zone, im ozeanischen Skandinavien in die boreale Zone vordringend, im Südosten bis in den Kaukasus und nach Persien.

Häufigkeit:

Stellenweise verbreitet.

Biotop:

Magerwiesen, Riedwiesen, Flach- und Hangmoore,  lichte Föhrenwälder,  Laubmischwälder, Gebüschzonen,  meist auf   Kalkböden,  selten  auf schwach sauren Böden.

Vom Tiefland bis 2300 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus dem Kt. Zürich [Heusser 1938], sowie aus England, Holland, Polen und Skandinavien.

Hybriden:

Mit Platanth. bifolia, Coelogloss. viride (?)


Orchis militaris

Helm Knabenkraut

Soldaten-Orchis;

frz.:Orchis militaire, 0. guerrier;

it.: Giglione, Orchidea militare

Synonyme:

0. rivini GOUAN, 0. cinerea SCHRANK, 

0. galeata LAM., 0. mimusops THUILL.

Etymologie:

Lat. miles: Soldat; rivini: nach Augustus Quirinus

Bachmann, genannt Rivinus (1652-1723), deut­

scher Arzt und Botaniker; lat. cinereus: aschgrau;

lat.   galea:  Helm,  galeatus:   behelmt;  lat.-gr. mimusops: aussehend wie ein Possenreisser.

Beschreibung:

Pflanze 20-45 (65) cm hoch; 3-5 elliptische, ungefleckte,   hellgrüne,  glänzende  Grundblätter mit grösster Breite ungefähr in der Mitte und 1-2 scheidige Stengelblätter; Blütenstand zu Beginn der Anthese kegelförmig, dichtblütig, später verlängert   eiförmig-zylindrisch  und  lockerer,   mit 10-40 Blüten; Brakteen 2-3 (5) mm lang, häutig, schuppenförmig; Perigonblätter einen Helm bildend; Sepalen aussen blass rosalila, weisslichgrau überlaufen, innen mit purpurroten Adern und verwaschenen Flecken, am Grunde miteinander verklebt; Petalen linealisch; Lippe weiss, rosa- bis purpurrot mit hellem Zentrum und Büscheln von dunkel violettroten Papillen, tief dreilappig, Seitenlappen linealisch, dem Mittellappen zugebogen, zwischen den breiten und spreizenden Zipfeln des Mittellappens ein Zahn,   alle Teile ganzrandig; Sporn 5-7 mm lang, zylindrisch, abwärts gebogen, etwa halb so lang wie der Fruchtknoten.

Blütezeit Ende April bis Anfang Juli.

Verbreitung:

Mitteleuropa (mit Ausstrahlungen bis England, Südschweden, Gotland, Nordspanien, Norditalien, in die Abruzzen und in den nördlichen Balkan), Kleinasien, Sibirien, Mongolei.

Häufigkeit:

Zerstreut, gebietsweise verbreitet.

Biotop:

Lichte Föhren-Eichen-Wälder, Waldränder, ungedüngte, trockene Magerwiesen, Halbtrockenrasen, Lehmgruben, trockene Stellen in Riedwiesen, Dämme, buschige Hänge, auf kalkhaltigen Böden.

Vom Tiefland bis gegen 2000 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus dem Kt. Zürich und aus Lugano [Heusser 1938], weiter aus Dänemark, Holland, Polen.

Hybriden:

Mit Orch. purpurea, 0. simia, 0. tridentata, Aceras anthropophorum.


Spiranthes spiralis

Herbst-Wendelähre

Herbst-Drehwurz, Herbst-Wendelorche;

frz.: Spiranthe d'automne,

Spiranthe tardive;

it.: Spirante d'autunno, Testicolo

odoroso, Vitticino autunnale

Synonyme:

Ophrys  spiralis   L,  Epipactis  spiralis   CRANTZ,

S. autumnalis L.C.M. RICHARD

Etymologie:

Lat. autumnalis: Herbst-, herbstlich; lat. spiralis:

spiralförmig.

Beschreibung:

Pflanze mit 2-3 (5) rübenförmigen 1,5-4 cm langen  Speicherwurzeln.  Stengel 6-40 cm  hoch, oben fein behaart, mit 3-7 scheidigen, aussen fein behaarten Schuppenblättern. Die grundständige Blattrosette besteht aus 3-7 eiförmigen bis elliptischen, auffallend zähen bläulichgrünen Blättern; die Blattrosette des nächstjährigen Blütentriebes entwickelt sich bereits zur Blütezeit seitlich neben dem diesjährigen Blütentrieb, während die zum diesjährigen Blütentrieb gehörenden vorjährigen Blätter schon verwelkt sind. Blütenstand 3-15 cm lang,   mit  6-25   (30)  spiralig  angeordneten,   (grünlich)weissen, duftenden   Blüten, die senkrecht von der Blütenstandsachse abstehen. Brakteen eiförmig bis lanzettlich, aussen behaart, länger als der Fruchtknoten. Sepalen 6-8 mm lang, aussen behaart, die beiden seitlichen abstehend, das mittlere mit den beiden etwa gleich langen Petalen und der Lippe zu einer Röhre zusammen geneigt. Lippe 6-7 mm lang, weiss mit gelbgrüner Mittelpartie, am Rande durchsichtig-zart, gewellt bis gefranst, an der Basis mit zwei kleinen Warzen.

Blütezeit Mitte August bis Mitte Oktober.

Häufigkeit:

Selten.

Verbreitung:

Europa mit Zentrum im Südwesten und im Mittelmeergebiet,  Kaukasus,  Nordafrika,   Kleinasien. Fehlt in der borealen Zone.

Biotop:

Magerrasen, Heidewiesen trockener Hanglagen, moorige Berg- und Waldwiesen, oft an von Schafen beweidete Triften gebunden, vorwiegend auf sauren bis neutralen Böden. Fast immer mit Euphrasia  (Augentrost) und Ononis-(Hauhechel-) Arten, in den Alpentälern vielfach auch mit Dryopteris (Wurmfarn) vergesellschaftet.

Vom Tiefland bis 1400 m.

Zytologie:

2n = 30, Material aus Dänemark und Sardinien.

Hybriden:

Für die Schweiz keine Meldungen.


Spiranthes aestivaliss

Sommer-Wendelähre

Sommer-Wendelorche;

frz.: Spiranthe d'été;

it: Testicolo odoroso, Viticcino estivo

Synonyme:

Ophrys aestivalis LAM., Neottia 

aestivalis DC.

Etymologie:

Lat. aestivus (auch aestivalis): Sommer-, sommerlich.

Beschreibung:

Pflanze mit 2-6 rüben- bis spindelförmigen Speicherwurzeln 

von 5-8 cm Länge und mit wenigen dicken Nährwurzeln. 

Stengel aus dem Zentrum der diesjährigen  Blattrosette wachsend,  10-35 (40) cm hoch,

gegen oben drüsig behaart. 3-6 grundständige Laubblätter, lineal-lanzettlich, bis 12 cm

lang und bis 1 cm breit, rinnig, aufgerichtet, nach oben am Stengel kürzer werdend. 

Blütenstand 3-10 cm lang. 6-20 spiralig angeordnete weisse Blüten. 

Brakteen 6-8 mm lang, wenig länger als der Fruchtknoten, aussen drüsig behaart. 

Sepalen 6-7 mm lang, aussen drüsig behaart. Petalen etwas kürzer. Blütenblätter zu einer Röhre zusammengeneigt, am äusseren Ende leicht aufgebogen. Lippe 6-8 mm lang und 4 mm breit, oberseits am Grund grünlich gefärbt, Lippen-Vorderteil nach unten gebogen und am Rand gekerbt.

Blütezeit Juli bis Anfang August.

Häufigkeit:

Selten; lokal auch grössere Bestände bildend

(Bemerkung: das Pendant zur Herbst-Wendelähre kommt am Greifensee häufig vor)

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa, Kleinasien.

Biotop:

Nasse, kalkreiche Flachmoore und Riedwiesen tiefer Lagen.

Vom Tiefland bis 1100 m.

Zytologie:

Keine Angaben.

Hybriden:

Für die Schweiz keine Meldungen.


Ophris holoserica

Hummel-Ragwurz

Hummeltragende Ragwurz,

Samt-Ragwurz, Herre;

frz.: Ophrys bourdon,

Orchis/Ophrys frelon,

La dame en velours;

it.: Fior bombo, Fior-Mosca,

Formicone, Vesparia crestata,

Ofride dei fuchi

Synonyme:

0. arachnites (SCOP.) LAM.; 0. fuciflora (F.W.

SCHMIDT) MOENCH

Etymologie:

Lat. holosericus: dicht seidenhaarig; lat. fucus:

Brutbiene; lat. flos: Blüte; gr. arachne: Spinne.

Beschreibung:

Pflanze 10-30 (40) cm hoch, locker 2—10blütig; grundständige Laubblätter 4-7, breit lanzettlich; Perigon weiss, rosa, rotviolett, selten grün; Sepalen eiförmig, 10-14 mm lang und 5,5-8,5 mm breit; Petalen dreieckig, 3-6 mm lang, behaart,

geöhrt; Lippe hell- bis dunkelbraun, mehr oder weniger trapezförmig, leicht bis kräftig konvex gewölbt, kurz samtig behaart, 8,5-13 mm lang und 13,5-20 mm breit, bis 3 mm hoch gehöckert, ausgerandet; Anhängsel gross, fleischig, vorwärts bis aufwärts gerichtet, oft dreizähnig; Mal H-förmig bis reich gegliedert, grauviolett-bräunlich mit weisslich-gelblicher   Umrandung;    Staminodialpunkte vorhanden; Konnektivfortsatz mehr oder weniger kurz, spitzlich.

Blütezeit Mai bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa (nördlich bis SE-England, Irland, Holland, Belgien, Hessen, Mähren), Kleinasien, Nordafrika.

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Lichte Föhren-Eichenwälder, Trockenrasen, Magerwiesen, grasige Dämme, sonnige buschige Hügel, Weiden, vornehmlich auf mässig trockenen bis frischen Kalkböden.

Vom Tiefland bis gegen 1400 m.

Zytologie:

2n = 36, Material vom Irchel ZH und von Ziegelbrücke GL [Heusser 1938]

Hybriden:

Mit Ophr. apifera, O. araneola, O. insectifera, 0. sphegodes.


Ophrys holosericea subsp. elatior (R. Engel & P. Quentin) H. Baumann & Künkeleholoserica

Hohe Hummel-Ragwurz


Artbeschreibung (Flora Helvetica 2018)

Bis 90 cm hoch, 8-18blütig. Blätter zur Blütezeit verdorrt. Lippe nur 7-13 mm breit. Blüht wesentlich später als O. holosericea s.str.

Blütezeit Juli - September

Standort und Verbreitung in der Schweiz

Trockene, kalkhaltige Magerwiesen / kollin /-Glattfelden-Ost

Häufigkeit:

Sehr selten

Orchis morio

Kleines Knabenkraut

Salep-Knabenkraut, Narren­

kappe, Narren-Orchis;     

frz.: Couillon de chien,

Orchis bouffon, Matagon;

it.: Zonzella, Giglio caprino,

Pan di cuculo, Galletti d'acqua,

Testicolo di cane, Salep

Synonyme:

O. crenulata GILIB.

Etymologie:

Bedeutung umstritten. 1. Version: Gr. moros: när­

risch, lat. morio: Narr; 2. Version: morion ist bei Pli-

nius der Name einer Wahnsinn (gr. moria) erzeu­

genden Pflanze; lat. crenulatus: feingekerbt.

Beschreibung:

Pflanzen 10-50 cm hoch; Laubblätter ungefleckt, lanzettlich, stumpf, 2,5-12 cm lang

und 0,5-2 cm breit, etwa in der Mitte am breitesten; Blütenstand zylindrisch, locker- bis dichtblütig, mit 5-25 rosa, roten bis dunkel rotpurpurnen, selten weissen  Blüten; Brakteen häutig, rot bis violett überlaufen, etwa so lang wie die Fruchtknoten, oft auch länger; Perigonblätter deutlich grün oder grünlichviolett geadert, helmartig zusammenneigend; Lippe 6-10 mm lang und 10-18 mm breit, in der helleren Mittelzone grob gefleckt bis punktiert, dreilappig, Mittellappen gespalten bis ausgerandet, länger als die mehr oder weniger herabgeschlagenen Seitenlappen; Sporn   horizontal bis aufwärts gebogen, zylindrisch bis keulenförmig, 9,5-14 mm lang.

Blütezeit April bis Mitte Juni.

Verbreitung:

Süd-Mittel-Europa, nordwärts bis England, Südskandinavien und ins Baltikum, ostwärts bis in den Kaukasus.

Häufigkeit:

Verbreitet.

Biotop:

Riedwiesen, Flachmoore, Weiden, lichte Föhren Eichen-Wälder bis in den Legföhrengürtel, Magerrasen,  ungedüngte trockene, sonnige Wiesen, magere Bergwiesen, auf kalk- oder basenreichen Böden.

Vom Tiefland bis 1800 m.

Zytologie:

2n = in der Regel 36 (mit vereinzelten Abweichungen 2n = 35, 37, 65), Material von verschiedenen Fundstellen im Kt. Zürich und aus dem Comerseegebiet [Heusser 1938], weiter aus Dänemark, Holland, Polen und Sardinien.

Hybriden:

Mit O. mascula, O. palustris, O. ustulata, Anacamptis pyramidalis, Anteriorchis coriophora, Serapias vomeracea

Problematik:

O. morio ist sehr vielgestaltig; in Feuchtbiotopen ist sie oft robust, gross- und dunkelblütig, an Trokkenstandorten ist sie eher grazil, kleiner-und auch etwas hellerblütig. Zwischen diesen Ökotypen besteht aber kein Hiatus (Lücke in der Merkmalsausprägung), so dass sich taxonomische Konsequenzen erübrigen.

Anmerkungen:

0. morio war früher eine der häufigsten Orchideenarten der extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen und Magerrasen Mitteleuropas. Die Knollen wurden zur Blütezeit ausgegraben, gebrüht, getrocknet und als Salep (Tuberà Salep) verkauft. Man schrieb dem schleimhaltigen Medikament eine Heilwirkung bei Durchfall und Darmentzündungen zu. Das bis vor wenigen Jahren auch noch in schweizerischen Apotheken erhältliche Handelsprodukt stammt aus dem Orient, wo Orchideenknollen heute noch tonnenweise ausgegraben und auf dem Markt verkauft werden. Neben dem Nährwert der stärkehaltigen Knollen soll auch die Wirkung als Aphrodisiakum einen Anreiz zum Kauf bilden. Dioskurides glaubte, dass die grösseren Knollen dieser Art, von Männern genossen, die Geburt von Knaben bewirken, die kleineren, von Frauen verzehrt, die Geburt von Mädchen. Im Altertum (bei Theophrast, Hippokrates und Plinius dem Älteren) war 0. morio geschätzt als Mittel gegen Fettleibigkeit.

Anmerkung:

Es werden noch heute, im Jahr 2000 und >, solch unsinnige Absurditäten begangen !


...eine seltene Weisse...



Cephalanthera longifolia

Langblättriges Waldvögelein

Schwertblättriges Waldvögelein,

Schmalblättrige Kopforche;

frz.: Céphalanthère à longues feuilles

C. à feuilles allongées,

C. à feuilles d'épées, C. à feuilles en glaive;

it.: Elleborine bianca, Tarmaione bianca

Synonyme:

C. ensifolia (MURRAY) L.C.M. RICHARD, C. angu-

stifolia  SIMONKAI, C. xiphophyllum (L. fil.) REI-

CHENB. fil.

Etymologie:

Lat. longus: lang; lat. folium: Blatt; lat. ensis:

Schwert; gr. xiphos: Schwert; gr. phyllon: Blatt; lat.

angustus: schmal.

Beschreibung:

Rhizom kurz, kriechend. Stengel 15-60 cm hoch, kahl, dicht beblättert, 4-12 Laubblätter, diese lineal-lanzettlich, bis 18 cm lang und 4 cm breit, abstehend bis überhängend, oft  steil aufgerichtet, rinnig gefaltet. Blutenstand bis 30 cm lang, lockerbis dichtblütig mit bis zu 40 Blüten. Tragblätter in Grösse und Form deutlich von den Laubblättern abgesetzt, sehr klein, bis 5 mm lang, manchmal die beiden untersten laubblattartig. Blüten mittelgross, weiss, leicht aufwärts gerichtet, halb geöffnet. Sepalen 14-18 mm lang, lanzettlich, Petalen wenig kleiner, oval. Lippe kleiner als die Sepalen, Hypochil mit dreieckigen, aufgerichteten Seitenlappen, Epichil oval bis rechteckig, Ränder hochgebogen, mit 4-7 orangegelben Längsleisten und ebenso  gefärbter,   abwärts  gerichteter  Spitze. Fruchtknoten lang und schlank.

Blütezeit Mitte April bis Juli.

Verbreitung:

Europa, Nordafrika und Vorderasien, von der meridionalen zur temperaten Zone, im Norden bis Nordgrossbritanien und Südskandinavien, im Osten bis Westpolen, Südrussland und weiter bis in den Westhimalaya, im Südosten bis in den Kaukasus und nach Persien.

Häufigkeit:

Im Jura, am Irchel (Kt. Zü.), im Tessin und in den Alpentälern verbreitet, sonst selten.

Biotop:

Meist auf Kalkböden, seltener auf Urgestein, Föhrenwälder,  lichte  Eichen-,   Buchen-,  Kastanien oder Laubmischwälder, entlang von Waldrändern und Hecken, Magerwiesen, buschige Berghänge.

Vom Tiefland bis 1600 m.

Zytologie:

2n = 32, Material aus Skandinavien.

Hybriden:

Mit Cephalanthera rubra


Cephalanthera damasonium

Weisses Waldvögelein

oder Bleiches Waldvögelein, 

Grossblütige Kopforche;

frz.: Céphalanthère blanche,

C. à grandes fleurs, C. pâle;

it.: Elleborine giallognola,

Cefalantera bianca

Synonyme:

C. alba (CRANTZ) SIMONKAI, C. grandiflora S.F.

GRAY, C. pallens L.C.M. RICHARD, C. latifolia

(MILLER) JANCHEN

Etymologie:

Damasonium ist ein antiker Pflanzenname. Wel­

che Pflanze gemeint war, ist heute nicht mehr

bekannt; lat. grandis: gross; lat. flos: Blüte; lat. al­

bus: weiss; lat. pallens: bleich; lat. latus: breit; lat.

folium: Blatt.

Beschreibung:

Rhizom kurz, kriechend. Stengel 15-60 cm hoch, kahl, mit 2-5 Schuppenblättern, darüber 2-5 Laubblätter, waagrecht abstehend bis aufwärts gerichtet, die oberen grösser als die unteren, die grössten eiförmig bis breit-lanzettlich, 4-10 cm lang und 2-3,5 cm breit. Blütenstand bis 15 cm lang mit 4-12 locker gestellten Blüten. Die unteren Tragblätter laubblattartig, die oberen fast so lang wie der Fruchtknoten. Blüten mittelgross, steil aufwärts  gerichtet, elfenbeinfarbig.  Blütenblätter zusammengeneigt,   Sepalen  eiförmig-lanzettlich, 15-20 mm lang, 4-8 mm breit, Petalen wenig kleiner. Lippe kürzer als die Sepalen, Hypochil mit schief dreieckigen, aufrechtstehenden Seitenlappen, am  Grunde mit einem gelben Fleck, Epichil dreieckig-herzförmig,  breiter   als  lang,  Ränder hochgebogen, Spitze nach unten gerichtet, mit 3 orangegelben Längsleisten.

Blütezeit Mai bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Europa und Vorderasien, von der meridionalen zur temperaten Zone, im Südosten bis in den Kaukasus und nach Nordpersien, im Osten bis Westpolen und Südrussland.

Häufigkeit:

Verbreitet. (…da bin ich etwas anderer Meinung….)

Biotop:

Kalkhaltige Böden, Buchen- und Laubmischwälder, Föhrenwälder, an Waldrändern und Hecken, selten auch in Magerwiesen vordringend, liebt schattigere Standorte als C. longifolia und C. rubra. Oft mit Neott. nidus-avis zusammen.

Vom Tiefland bis 1600 m.

Zytologie:

2n = 32, Material aus Skandinavien; 2n = 36, Material aus Polen und Holland.

Hybriden:

Für die Schweiz keine Meldungen.


Cephalanthera rubra

Rotes Waldvögelein

Rote Kopforche;

frz.: Céphalanthère rouge,

Céphalanthère rose;

it.: Elleborine rossa,

Cefalantera rossa

Synonyme:

Serapias rubra L, Epipactis rubra ALL., E. purpura-

ta CRANTZ

Etymologie:

Lat. ruber: rot; lat. pupuratus: purpurn.

Beschreibung:

Rhizom kurz. Stengel 20-65 cm hoch, unten kahl, oben drüsig behaart, unten mit mehreren Schuppenblättern, darüber bis etwa zur halben Pflanzenhöhe 3-6 Laubblätter, diese lanzettlich, 5-10 cm lang, 1-3 cm breit, vom Stengel abstehend. Blütenstand  bis 20 cm lang mit 4-15 ziemlich grossen, locker gestellten Blüten. Blüten rosa oder hell bis kräftig rotlila gefärbt, ziemlich weit geöffnet, leicht aufwärts gerichtet. Untere Tragblätter viel länger, die oberen knapp so lang wie der Fruchtknoten. Sepalen eiförmig lanzettlich, bis 25 mm lang, aussen behaart, Petalen wenig kleiner, bis 20 mm lang, aussen kahl. Lippe fast so lang wie die Sepalen, Hypochil mit schief dreieckigen Seitenlappen, Epichil eiförmig-lanzettlich, bis 15 cm lang, weisslich mit bis zu 10 (15) gelbbraunen Längsleisten, Spitze abwärts gerichtet. Fruchtknoten schlank, behaart.

Blütezeit Mitte Mai bis Anfang August.

Verbreitung:

Europa, Nordafrika und Vorderasien, im temperaten bis meridionalen Bereich, fehlt im atlantischen Gebiet fast vollständig, im Norden bis Südskandinavien, im Osten bis Mittelrussland, im Südosten bis in den Kaukasus und nach Nordpersien.

Häufigkeit:

Zerstreut, stellenweise gehäuft auftretend.

Biotop:

Trockene kalkhaltige Böden, sonnige und warme Lagen, lichte Föhren-, Eichen- und Laubmischwälder, Waldwiesen, Waldränder und Hecken, Böschungen von Waldstrassen, selten Magerwiesen.

Vom Tiefland bis 1900 m.

Zytologie:

Keine Untersuchungen bekannt.

Hybriden:

Mit Cephalanthera longifolia.


Orchis mascula

Männliches Knabenkraut

Manns- oder Kuckucks-Kna­

benkraut, Stattliche Orchis;

frz.: Orchis mâle, Soupe

à vin, Pentecôte, Satirion,

Pain de couleuvre;

it.: Giglio caprino, Orchidea maschia

Synonyme:

O. stabiana TEN., O. ovalis F.W. SCHMIDT

Etymologie:

Lat. masculus: männlich; lat. ovalis: eirund, ellip­

tisch; lat. stabianus: aus der Gegend von Stabiae

am Vesuv stammend. Die Stadt wurde im Jahr 79

zusammen mit Herculaneum und Pompeji zer­

stört.

Beschreibung:

Oft stattliche Pflanze, (10) 20-60 (70) cm hoch; Grundblätter lanzettlich, 4-17 cm lang und 1-3,5 cm breit, ungefleckt, grob gefleckt oder gesprenkelt, das oberste Blatt den Stengel umhüllend; Blütenstand zylindrisch, locker- bis dichtblütig mit 8-30 Blüten; Brakteen häutig, purpurn, ungefähr so lang wie die Fruchtknoten, diesen dicht anliegend; Blüten hell- bis dunkelrosa oder purpurrot, selten weiss; seitliche Sepalen aufrecht,  nach aussen gedreht (d. h., sie zeigen, von der Seite betrachtet, ihre ganze Breitseite); Lippe in der Form variabel, schwach oder tief dreilappig, 7-14,5 mm lang und 7,5-18 mm breit, die hell getönte Mittelzone mit Punkten, Strichen oder Flecken, Mittellappen mehr oder weniger deutlich zweilappig, in der Ausbuchtung gelegentlich ein Zähnchen, alle Abschnitte abgerundet oder oft fein gezähnt bis

gefranst; Sporn zylindrisch bis keulenförmig, dicklich oder schlank, 9-21 mm lang und 1,4-3,2 mm dick, stumpf, aufwärts gerichtet.

Blütezeit: April bis Mitte August.

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa (nördlich bis Irland und Norwegen), Mittel- und Südrussland, Kleinasien, Kaukasus, Iran, Ural, Nordafrika.

Häufigkeit:

Verbreitet.

Biotop:

Lichte Föhren- und Laubmischwälder, Magerwiesen, Riedwiesen, ungedüngte, mässig feuchte, tiefgründige Wiesen, buschige Bergtriften, magere Alpweiden, auf kalkhaltigen bis mässig sauren Böden.

Vom Tiefland bis 2700 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus Herblingen SH, Glattfelden ZH, Juf im Avers GR und aus dem Comersee

Hybriden:

Mit Orchis morio (?), O. pallens, O. provincialis, Dactylorhiza sambucina (?). 

Problematik:

Das Erscheinungsbild von O. mascula ist ausserordentlich variabel. Entsprechend gross ist die Unsicherheit bei einer Gliederung in Kleinarten oder Unterarten. Für das Gebiet der Schweiz wird gelegentlich eine Sippe angegeben, die durch mehrere Merkmale vom Typus abweicht


Goodyera repens

Moosorchis

Kriechendes Netzblatt,

Kriechende Goodyere,

Mooswurz;

frz.: Goodyère rampante;

it.: Goodiera

Synonyme:

Satyrium repens L, S. hirsutum GILIB., Epipactis

repens CRANTZ, Neottia repens SWARTZ

Etymologie:

Lat. repens: kriechend (wegen des kriechenden

Rhizoms); lat. hirsutus: behaart.

Beschreibung:

Pflanze mit oberirdisch im Moos kriechendem, etwas fleischigem  Rhizom, Ausläufe

treibend. Stengel 7-25 (30) cm hoch, oberwärts drüsig-kurzhaarig. Laubblätter am 

Stengelgrund rosettenartig genähert, herzförmig bis spitz eiförmig, kurz gestielt,  

netznervig!  Stengelblätter schuppenartig, drüsig. Blütenstand 5—15blütig, einseitswendig bis schwach ausgeprägt spiralig. Blüten klein, weiss oder hell elfenbeinfarbig, Sepalen und Petalen helmartig zusammenneigend, 3-5 mm lang. Sepalen mehr oder weniger stumpf, konkav, aussen auffällig drüsig behaart. Petalen lanzettlich, kahl.

Lippe 2,5-4 mm lang, in Hypochii und Epichil gegliedert. Hypochil tief halbkugelig, innen papillös, ohne Einschnürung ins dreieckige, rinnige Epichil übergehend. Die neuen Blattrosetten bilden sich im Herbst und überdauern den Winter.

Blütezeit Mitte Juni bis Ende August.

Häufigkeit:

Selten im Mittelland, zerstreut im Jura und in den Voralpen, lokal grössere Bestände bildend.

Verbreitung:

Zirkumpolar,  Europa (fehlt in der immergrünen Region des Mittelmeerraumes), Kleinasien, Kaukasus, Krim, gemässigtes Asien bis Japan, Nordamerika.

Biotop:

Schattige, moosige Föhren-, Föhren-Eichen-Wälder, seltener auf Kalkblockschutt in Fichtenwäldern trockener Lagen, Auen, an Waldbächen. In den Voralpen und   Alpentälern oft zusammen mit Calluna vulgaris (Heidekraut) und Erica-Arten.

Vom Tiefland bis 1800 m.

Zytologie:

2n = 30, Material aus England, Holland, Schweden; 2n = 28-32, Material aus Frankreich; 2n = 40, Material aus Holland.

Hybriden:

Keine.

Anmerkungen:

Goodyera repens ist eher in Ausbreitung begriffen, z.B. im Gefolge von Aufforstungen und im Zusammenhang  mit forstwirtschaftlich  bedingten «Sanierungen» von Strassenböschungen. Die Art reagiert extrem empfindlich auf Störungen im Feuchtigkeitshaushalt des Untergrundes in niederschlagsarmen Jahren. (so, wie dies im Jahr 2022 der Fall war....)

 

Gymnadenia conopsea

Mücken-Händelwurz

oder Grosse-Händelwurz,

Langspornige Handwurz;

frz.: Orchis/Gymnadène à

long éperon, Gymnadénie cousin,

Gymnadénie moucheron, Orchis moustique;

it.: Giglio caprino, Orchidea garofanata

Synonyme:

Orchis   conopsea    L.,  Habenaria  gymnadenia

DRUCE, Gymnadenia conopsea subsp. densiflora

(WAHLENB.) K. RICHTER, subsp. montana BISSE,

var. alpina REICHENB. fil.

Etymologie:

Mücke; lat. densiflorus: dichtblütig; lat. alpinus:

alpin; lat. montanus: berg

Beschreibung:

Pflanze mit 2 bis in die Mitte handförmig geteilten Knollen. Bis zu 3 Schuppenblätter ganz am Grunde des Stengels und 3-10 Laubblätter, davon die oberen 3-4 dem Stengel entlang angeordnet und sehr viel kleiner als die grundständigen; letztere linealisch-lanzettlich, 5-25 (30) cm lang und 0,5-4,5 cm breit. Stengel 15-50 (90) cm lang. Blütenstand 5-30 cm lang, dicht- oder lockerblütig, wenig- bis vielblütig (10-50). Blüten intensiv rotlila bis rosa und meist sehr stark duftend. Sepalen 4-8 mm lang, elliptisch, oft um die Längsachse eingerollt, die seitlichen abspreizend. Petalen etwas kürzer und rundlich-eiförmig, zusammengeneigt. Lippe 4-7 mm lang, dreilappig, Mittellappen wenig bis deutlich länger als die Seitenlappen, ohne Zeichnung. Sporn 10-20 mm lang, viel länger als der Fruchtknoten, dünn, abwärts gebogen, fast immer mit sichtbarem Nektar.

Frühblühende: Blütezeit Mitte Mai bis Mitte August.

Spätblühende: Blütezeit Ende Juni bis Mitte August.

Häufigkeit:

Verbreitet.

Verbreitung:

Eurasiatisch,  gemässigtes   Europa,  Südeuropa (hier nur in den Gebirgen), Kaukasus, Kleinasien, Nordpersien, gemässigtes Asien, Sibirien, Nordchina, Korea, Japan.

Biotop:

Lichte Föhrenwälder bis in den Legföhrengürtel, Heide- und Riedwiesen, Feucht- und Nasswiesen, Flachmoore, Magerrasen, Bergwiesen, auf mässig trockenen bis nassen, sauren bis basischen Böden.

Vom Tiefland bis 2800 m.

Zytologie:

2n=40, Material aus Glattfelden ZH und aus dem Avers GR (Heusser 1938), aus England, Holland, Österreich, Polen, der Halbinsel Kola; 2n = 80, Material aus Rümlang und Glattfelden (Heusser 1938); 2n= 40, 80, 100, 120, Material aus Niederösterreich.

Hybriden:

Mit Gymnadenia odoratissima, Anacamptis pyramidalis, Dactylorhiza cruenta, D. fuchsii, D. incarnata, D. majalis, Nigritella nigra, N. rubra, Platanthera bifolia (?) Pseudorchis albida, Traunsteinera globosa (?). Wie D. fuchsii bildet 

G. conopsea eine erstaunlich grosse Zahl von Gattungshybriden.


Epipactis muelleri

Müllers Stendelwurz

Sumpfwurz/Sitter;

frz.: Epipactis de Müller;

it.: Elleborine di Mueller

Synonyme:

E. helleborine (L.) CRANTZ subsp. muelleri 

(GODFERY) SOÓ

Etymologie:

Benannt  nach   Hermann  Müller  (1829-1883),

Oberlehrer in Lippstatt, bekannt geworden durch

seine biometrischen Analysen zur Unterscheidung

von Orchideensippen und seine Untersuchungen

zur Blütenbiologie u.a. verschiedener Orchideenarten

Beschreibung:

Pflanze 20-90 cm hoch, Stengel hellgrün, oben filzig behaart, in der Regel schwach   wellig  gebogen. Unten 2-3 Schuppenblätter, darüber 5-10 Laubblätter, diese lanzettlich, lang zugespitzt, rinnig gefaltet, am Rande gewellt, sichelförmig nach aussen gebogen, die grössten 5-12 cm lang, 1,5-3 cm breit, die obersten tragblattartig. Blüten­

stand bis 20 cm lang mit bis 40 locker bis dicht stehenden Blüten. Tragblätter lineal-lanzettlich, die untersten viel länger als die Blüten. Blüten nickend, Perigonblätter zusammengeneigt, Sepalen 7-11 mm lang, eiförmig-lanzettlich, grünlich, Petalen kleiner, weisslichgelb. Lippe bis 8 mm lang, Hypochil innen rot, schüsselförmig, Nektar führend, Öffnung zum Epichil weit, Epichil hellrosa oder grünlichweiss, breit herzförmig, so breit wie lang, Spitze mehr oder weniger zurückgebogen, basale Schwielen schwach entwickelt. Anthere sitzend, die Pollinien ragen über die Narbe hinaus.

Klebkörper fehlend. Selbstbestäubung.

Blütezeit Mitte Juni bis Mitte August.

Verbreitung:

West-, Mittel- und nördliches Südeuropa (Istrien, Mittelitalien, Pyrenäen), ostwärts bis in die Slowakei. Wie bei Epipactis leptochila nur ungenügend bekannt.

Häufigkeit:

Selten, über weite Strecken fehlend oder nicht nachgewiesen.

Biotop:

Waldränder, Waldwege, lichte Föhren- oder Laubmischwälder, auch   Pfeifengraswiesen und Magerwiesen, an warmen, halbschattigen bis sonnigen Lagen auf mässig trockenen Kalkböden.

Vom Tiefland bis l300 m.

Zytologie:

2n = 40 (auch 38, nach Sundermann 1980).

Hybriden:

Keine.

Anmerkung:

Epipactis muelleri bildet nur blühende Sprosse.


Neottia nidus-avis

Vogelnestwurz

Bräunliche Nestwurz;

frz.: Néottie nid-d'oiseau;

it.: Nido d'uccello

Synonyme:

Ophrys   nidus-avis    L.,   Epipactis   nidus-avis

CRANTZ, Neottidium nidus-avis SCHLECHTER

Etymologie:

Lat. nidus: Nest, avis: Vogel; 

nach der Gestalt des Wurzelstockes.

Beschreibung:

Pflanze mit rundlichem  Rhizom, das dicht mit fleischigen Wurzeln besetzt ist und vogelnestförmige Gestalt hat. Pflanze meist fast ganz ohne Blattgrün,  vollständig wächsern  (gelblich)braun, sehr selten weisslich  oder zitronengelb,  ohne

Laubblätter. Wegen des praktisch fehlenden Blattgrüns ist keine Assimilation möglich; die Lebensweise der Nestwurz ist vollkommen mykotroph. Stengel 10-40 (45) cm hoch, mit 2-4 schuppigen Blättern. Blütenstand reichblütig, unterste Blüten manchmal in grösseren Abständen aufeinanderfolgend. Fruchtknoten kahl oder mehr oder weniger dicht mit kurzen gestielten Drüsen besetzt. Blüten schwach nach Honig duftend. Sepalen und Petalen gleichartig ausgebildet, 4-6 mm lang, zu einem Helm zusammenneigend; Lippe bis 13 mm lang, am Grunde mit einer napfartigen Vertiefung, in

welcher oft glänzende Nektartropfen erscheinen, am Ende tief zweispaltig mit spreizenden, vorn verbreiterten Lappen.

Blütezeit Mai bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Europa, Kaukasien, Ural, NW-Kleinasien, gemässigtes Asien bis Korea und Japan.

Häufigkeit:

Verbreitet.

Biotop:

Schattige Laubmischwälder, seltener Nadelwälder, auf lockeren, humosen Böden.

Vom Tiefland bis 1700 m.

Zytologie:

2n = 36,  Material aus der Schweiz [Meili-Frei 1965]; ferner aus Holland, Frankreich, Polen und Sardinien.

Hybriden:

Keine.

Anmerkungen:

Der bräunliche, in den Zellen als Körnchen gelagerte Farbstoff steht chemisch dem Chlorophyll sehr nahe. Das erkennt man u. a. daran, dass die Pflanze beim Eintauchen in kochendes Wasser gelbgrüne Farbe annimmt. Die vertrockneten Fruchtstände bleiben häufig länger als ein Jahr stehen. Unmittelbar darunter stirbt das Rhizom normalerweise ab, sodass man an dieser Stelle keine lebenden Wurzeln mehr finden kann.


Aceras anthropophorum

Ohnsporn

Menschentragendes Ohnhorn,

Fratzenorchis,

Puppenorchis, Spornlos,

Hängender Mensch,

Hängender Mönch;

frz.: Homme pendu, Porte-homme;

it.: Ballerino, Orchide uomo, L'Impiccato

Synonym:

Ophrys anthropophora L.

Etymologie:

Gr. anthropophoros: menschentragend.

Beschreibung:

Pflanze 10-30 (40) cm hoch; Stengel rund, kahl, am Grund mehrere bräunliche, durchscheinendhäutige Schuppenblätter, darüber 4-10 länglich lanzettliche, bläulichgrüne, 5-15 cm lange und 1-2,5 cm breite Laubblätter mit deutlichen Nerven, die unteren rosettenartig genähert, die oberen den Stengel scheidenartig umfassend. Blütenstand langgestreckt, schmal zylindrisch, bis 20 cm lang, dicht- und reichblütig (bis 70 Blüten). Brakteen lanzettlich, hellgrün, kürzer als der Fruchtknoten. Blütenblätter zu einem halbkugeligen Helm zusammenneigend.  Sepalen   eiförmig,  konkav, grün bis gelbgrün mit rotbraunem oder braunviolettem Rand, 5-9 mm lang und 2,5-5 mm breit. Petalen lanzettlich-linealisch, etwas kürzer als die Sepalen und 1-2 mm breit. Lippe 10-15 mm lang, hängend, gelb, gelbgrün bis intensiv rotbraun, am

Grund mit zwei seitlichen, weisslich glänzenden Wülsten, tief dreilappig, Mittellappen tief spreizend gespalten, oft mit einem Mittelzahn, Seitenlappen und Abschnitte des Mittellappens schmal linealisch, spitzlich endend. Sporn fehlt. Die zwei Klebscheiben der Pollinien stark genähert oder zu einem sattelförmigen Körper verschmolzen.

Blütezeit Mitte April bis Ende Juni.

Verbreitung:

Mittelmeergebiet (gegen Osten selten), West und Mitteleuropa (nördlich bis Südengland), Nordafrika, Kleinasien.

Häufigkeit:

Selten;  lokal individuenreiche Populationen bildend.

Biotop:

Magerwiesen,   Halbtrockenrasen,  lichtes   Gebüsch, oft entlang von Hecken (Windschutz!), meist auf Kalk.

Vom Tiefland bis gegen 1300 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus Lugano TI [Heusser 1938], weiter aus Holland und Sardinien.

Hybriden:

Mit Anteriorchis coriophora, Dactylorhiza majalis, (?), Orchis militaris, 0. purpurea, 0. simia, 0. (militaris x purpurea).


Orchis purpurea

Purpur Knabenkraut

Braune oder Braunrote

Orchis;

frz.: Orchis pourprée,

Orchis casque,

Fleur de Pentecôte;

it.: Orchidea maggiore,

Orchide purpurea

Synonyme:

O. fusca JACQ., 0. maxima K. KOCH, 0. brachia-

ta GILIB.

Etymologie:

Lat. purpureus: purpurrot; lat. fuscus: rotbraun; lat.

maximus: grösster; lat. brachium: Arm.

Beschreibung:

Stattliche Pflanze, (25) 30-90 cm hoch; 3-6 grosse und breit lanzettliche bis ovale, 6-20 cm lange und 2-7  cm   breite,  glänzend  grüne,   ungefleckte Grundblätter mit grösster Breite ungefähr in der Mitte und 1-2 scheidige Stengelblätter; Blütenstand eiförmig-zylindrisch, dicht- und reichblütig; Brakteen häutig, schuppenförmig, rötlich, 1,5-3 mm lang; Sepalen breit eiförmig, zugespitzt, konkav, dunkel purpurn oder braunrot gefleckt, am Grunde verklebt; Petalen kürzer, schmal, mit den Sepalen einen auffällig schwärzlichbraunen Helm bildend. Lippe weisslich, hellrosafarben, mit zahlreichen  Büscheln   braunroter  Papillen  besetzt, 9-20 mm lang und 11-22 mm breit, tief dreilappig, in der Form äusserst variabel, Mittellappen in der Regel breiter als lang, zweiteilig, in der Bucht mit kleinem Zahn, alle Abschnitte gestutzt und unregelmässig gezähnt; Sporn 3-8 mm lang, abwärts gebogen, mit verbreitertem und oft eingekerbtem

Ende.

Blütezeit (März) April bis Mitte Juni.

Verbreitung:

Süd- und Mitteleuropa (nordwärts bis England, Belgien,  Holland,  Dänemark,   Südgrenze durch Kantabrien, Korsika, Süditalien); Mittel- und Südrussland, Kaukasus, Kleinasien, isolierte Vorkommen in Nordwestafrika.

Häufigkeit:

Zerstreut, stellenweise häufig.

Biotop:

Laubmischwälder, seltener Nadelwälder, Waldränder,  Magerwiesen,  Halbtrockenrasen,  Gebüschzonen, sommertrockene und winternasse, humose, tiefgründige Böden milder Lagen, kalkliebend, bevorzugt Halbschatten .

Vom Tiefland bis 800 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus dem Kt. Zürich [Heusser 1938], Dänemark und Holland; 2n = 40, Material aus Frankreich.

Hybriden:

Mit  Aceras   anthropophorum,  Orchis  militaris, O. simia.

Problematik:

Die Lippengestalt von O. purpurea ist oft innerhalb einer einzigen lokalen Population enorm variabel, was Anlass zur Aufstellung mehrer Varietäten und Formen gegeben hat - ein überflüssiges Vorgehen, das den natürlichen Gegebenheiten nie gerecht werden kann. («Wer sich in Varietäten verliert, verkennt das Prinzip der vielschaffenden Na­

tur», sagte schon Linné.)

 

Epipactis leptochila

Schmallippige Breitblättrige Stendelwurz

Schmallippige Stendelwurz

Sumpfwurz/Sitter   

Synonyme:

E.   helleborine  (L)  CRANTZ   subsp.  leptochila

(GODFERY) SOÓ,  E. cleistogama C. THOMAS,

E. viridiflava LOEW

Etymologie:

Gr. leptos: fein, dünn; gr. cheilos: Lippe; gr. klei­

stos: geschlossen; gr. gamos: Hochzeit; lat. viridi-

flavus: grüngelb.

Beschreibung:

Rhizom lang, Stengel 20-70 cm hoch, oberwärts leicht behaart. Blätter am Stengel verteilt, über den Schuppenblättern 3-6 hellgrüne, schlaff herabhängende Laubblätter, grösste Blätter eiförmig lanzettlich, 5-10 cm lang, 2-5 cm breit, die obersten Blätter tragblattartig. Blütenstand bis 25 cm lang mit bis zu 30 locker stehenden Blüten. Tragblätter lineal-lanzettlich, die untersten viel länger als die   Blüten.  Blüten  nickend,   Perigonblätter grün, manchmal leicht rötlich überlaufen, weit geöffnet  oder   glockenförmig  zusammenneigend.

Sepalen lanzettlich, 6-11 mm lang, Petalen kleiner, weisslich-grün. Lippe bis 10 mm lang, Hypochil innen braunrot oder oliv, schüsselförmig mit enger Öffnung gegen das Epichil, mit oder ohne Nektar, Epichil weisslich, grünlich oder rosa ge­

färbt, länger als breit, spitz, gerade vorgestreckt (herzförmig). Klebkörper fehlend oder stark reduziert, nicht funktionsfähig. Anthere deutlich gestielt. Selbstbestäubung.

Blütezeit Mitte Juli bis Ende August.

Verbreitung:

Das Areal von Epipactis leptochila ist nur ungenügend bekannt, da auf diese Art erst seit wenigen Jahren geachtet wird. Bisher bekannte Vorkommen: West- und Mitteleuropa, von Nordengland und Dänemark bis zu den Pyrenäen, Seealpen und ins Adriagebiet, im Osten bis in die Tschechoslowakei.

Häufigkeit:

Selten, über weite Strecken fehlend oder nicht nachgewiesen.

Biotop:

Schattige,  unterwuchsarme  Buchenwälder auf lockeren Kalkböden.

Vom Tiefland bis 1200 m.

Zytologie:

2n = 40 (auch 36, nach Sundermann 1980).

Hybriden:

Für die Schweiz nicht gemeldet.

Anmerkungen:

Epipact. leptochila ist in der Schweiz noch ungenügend erforscht, da sie, wie Epipacti. muelleri, erst seit wenigen Jahrzehnten als eigenes Taxon angesehen wird. Neben der Normalform findet man immer wieder Pflanzen mit geschlossenen oder nur wenig geöffneten Blüten. Sie werden als E. cleistogama C. THOMAS bezeichnet.


Orchis ustula

Schwärzliches Knabenkraut 

Angebranntes Knabenkraut,

Brand-Orchis,

frz.: Orchis brûlée;

it.: Orchidea bruciac­

chiata, Giglione annerito

Synonyme:

O. parviflora WILLD., 0. amoena CRANTZ, 0. co-

lumnae F.W. SCHMIDT, 0. imbricata VEST

Etymologie:

Lat. ustulare: anbrennen; lat. parvus: klein; lat.

flos: Blüte; lat. amoenus: anmutig, lieblich; lat. co-

lumna: Säule; lat. imbricatus: dachziegelartig.

Beschreibung:

Pflanze 10-30 (45) cm hoch; 5-9 ungefleckte Laubblätter, untere rosettenartig genähert, obere   scheidig,  brakteenartig,  stengelumfassend, Grundblätter lineal- bis eiförmig-lanzettlich, 2,5-10 cm lang und 0,5-2 cm breit mit grösster Breite in

oder über der Mitte, grün bis blaugrün; Blütenstand reichblütig, oben dicht, unten aufgelockert, zuerst kegelförmig, dann kurz bis lang zylindrisch; Brakteen häutig, violett oder lila, wenig kürzer als die Fruchtknoten; Blüten nach Honig duftend; Perigonblätter einen halbkugeligen, aussen rot- bis schwarzbraunen  Helm   bildend,  Blütenknospen daher schwärzlich angebrannt wirkend; Lippe (3,5) 5-8 mm lang, weiss mit roten Punkten (Papillen), tief dreilappig mit spreizenden, linealischen Seitenlappen und gespaltenem Mittellappen, alle Abschnitte vorn gestutzt und oft gezähnt; Sporn 1-2 mm lang, zylindrisch, abwärts gerichtet.

Blütezeit Ende April bis Juli.

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa (nordwärts bis England, Schweden, Norwegen und ins Baltikum, Südgrenze durch Nordspanien, Süditalien, Peloponnes), Mittel- und Südrussland, Westsibirien, Ural, Kaukasus.

Häufigkeit:

Zerstreut.

Biotop:

Magerrasen, grasige Hügel, Wald- und Heidewiesen, Halbtrockenrasen warmer, sonniger Lagen, lichte Föhren-Eichen-Wälder, seltener kalkreiche Flachmoore, auf ungedüngten, wechselfeuchten, mageren bis humosen Böden, auf Kalk und Urgestein.

Vom Tiefland bis 2100 m.

Zytologie:

n = 21 und 2n = 42, Material aus Ziegelbrücke SG [Heusser 1938]; n = 21 und 2n = 43, Material aus dem Misox GR [Heusser 1938]; weiter aus Dänemark und Österreich.

Hybriden:

Mit Orchis tridentata, Anteriorchis coriophora (?).

(weiter mit Orchis subsp. aesivalis)

subsp. aestivalis     

Schwärzliches Knabenkraut 

(lockerblütig)

Etymologie:

Lat. aestivalis: sommerlich

(bezieht sich auf die Blütezeit).

Blühbeginn: 

in tiefen Lagen          - Ende Juni-Mitte Juli

in mittleren Lagen    - Mitte-Ende Juli

im Gebirge                - Mitte August

Habitus                      kräftig, gestreckt, bis 82 cm hoch

Laubblätter                aufwärts gerichtet, gekielt, grün

Hochblätter Stengel mindestens 2, hoch am Stengel Internodien stark gestreckt

Infloreszenz               breit zylindrisch, spitz

Duft                             sehr schwach, an Zitronenduft erinnernd                           

Helm                           ± offen, Spitzen der seitlichen Sepalen nach aussen gebogen

Lippe                           Lappen häufig gestutzt und leicht gezähnt

Fruchtansatz              guter Fruchtansatz (bis 75%)

Anmerkungen:

Da die beiden Unterarten nicht immer das gleiche Biotop besiedeln, sondern auch getrennt auftreten können, scheint es unwahrscheinlich, dass die spätblühenden Individuen aus Knollen frühblühender Pflanzen austreiben, dass also ein und dasselbe Individuum zweimal zur Blüte gelangt. In den tiefen Lagen des Juras und der Alpen sind beide Formen gut unterscheidbar (die spätblühende Sippe ist in weiten Gebieten des zentralen Juras sogar alleiniger Vertreter der Art). Die Blütezeiten sind klar getrennt: Die frühe Form blüht vor Dactylorhiza fuchsii, Anacamptis,  Listera ovata und den beiden Platanthera-Arten, die späte Form nach diesen Arten. Auch im Habitus sind die Unterschiede deutlich: Die frühblühende Sippe weist eine grundständige Blattrosette auf, hat kurze und breite Laubblätter, einen gedrungenen  Wuchs und einen dichten, kurzen Blütenstand. Demgegenüber sind bei der spätblühenden Sippe die Internodien gestreckt, so dass keine Blattrosette gebildet wird, die Blätter sind  lang und schmal, der Wuchs ist schlank und hoch und der Blütenstand locker und langgestreckt. Hingegen lassen sich im Jura hinsichtlich der Blütengrösse sowie der Lippen- und Helmform keine signifikanten Unterschiede feststellen. Schwieriger als im Jura und in den tieferen Lagen der Alpen ist es in höheren Gebirgslagen, die beiden Sippen auseinanderzuhalten. Wegen der kürzeren Vegetationsperiode rücken die Blütezeiten zusammen und überschneiden sich sogar. Auch die Unterschiede im Habitus sind nicht mehr eindeutig. Die Sippengrenzen sind unscharf, und eine zweifelsfreie Zuordnung von Pflanzen zur einen oder andern Unterart ist vielfach nicht möglich. Da in den schweizerischen Florenwerken die beiden Unterarten nicht unterschieden werden, sind gesonderte Arealkarten vorläufig nicht realisierbar. Auf unserem Verbreitungskärtchen sind deshalb alle Fundmeldungen ohne Unterscheidung der beiden Unterarten zusammengefasst.    


Anacamptis pyramidalis

Pyramidenorchis 

A. pyramidalis (L.) L.C.M. RICHARD

var. tanayensis CHENEVARD

Spitzorchis, Kammorchis, 

Pyramiden-Hundswurz,

Pyramidenförmiges

Kammknabenkraut;

frz.: Orchis pyramidale;

it.: Orchidea piramidale

Synonyme:

Orchis pyramidalis L., Aceras pyramidalis  RE

CHENB. fil., Anacamptis condensata K. KOCH

Etymologie:

Gr. pyramidalis: pyramidenartig; lat. condensatus:

verdichtet; lat. tanayensis: bei Tanay (VS) vorkommend.

Beschreibung:

Pflanze 20-50 cm hoch. Laubblätter 4-10, ungefleckt, untere schmal-lanzettlich, 8-25 cm lang und 0,7-2 cm breit, oft rinnig bis gefaltet, obere schuppenförmig. Blütenstand kegel- bis eiförmig, beim Abblühen verlängert eiförmig bis fast zylindrisch, dicht- und reichblütig. Blüten hell bis leuchtend dunkel karmin- oder purpurrot, rosa oder weisslich, sehr selten rein weiss. Brakteen lanzettlich, rötlich bis violett überlaufen, fast so lang wie die Fruchtknoten. Seitliche Sepalen eiförmig-lanzettlich, spitz, 4-8 mm lang, mehr oder weniger abstehend. Petalen 3,5-6 mm lang, mit dem mittleren Sepal einen Helm über der kurzen Säule bildend. Lippe 6-9 mm lang und ebenso breit, mit zwei aufrechten Längsleisten (Platten) an der Basis, tief dreilappig, Seitenlappen und Mittellappen linealisch bis eiförmig. Sporn fadenförmig, ungefähr so lang wie der Fruchknoten, manchmal auch etwas länger, 10-15 mm lang und 0,5 mm dick, abwärts gerichtet. Die beiden Pollinien besitzen eine gemeinsame, grünliche, nierenförmige Klebscheibe.

Blütezeit Mitte Mai bis Mitte August.

Verbreitung:

Mittel- und Südeuropa (nördlich bis Dänemark, Südskandinavien, Grossbritannien und Irland), und  SW-Russland,   Kaukasus,  Kleinasien,  Iran, Nordafrika.

Häufigkeit:

Zerstreut, im Jura verbreitet.

Biotop:

Trockene lichte Föhren-Eichen-Wälder, Heidewiesen, Magerwiesen, selten Flachmoore, Kiesgruben, sonnige, buschige Hänge, entlang von Hekken, gern auf Kalk.

Vom Tiefland bis 1900 m.

Zytologie:

2n = 36, Material aus Glattfelden ZH und aus dem Wallis [Heusser 1938], weiter aus Holland, Sardinien.

Hybriden:

Anteriorchis coriophora, Dactylorhiza fuchsii (sehr fraglich), Gymnadenia conopsea, G. odoratissima, Orchis morio.

Anmerkung:

Die Anacamptis-Blüte mit dem langen, fadenförmigen und nektarführenden Sporn kann nur von langrüssligen Tagfaltern  bestäubt werden.  Die zwei aufrechten Leisten vor dem Sporneingang am Lippengrund dienen dem Schmetterlingsrüssel als Führung.

Variation:

Aus den Kantonen Wallis (Gebiet um den Lac de Tanay) und Freiburg ist eine reizvolle Varietät bekannt: Anacamptis pyramidalis var. tanayensis. Eine Reihe von Merkmalen unterscheidet sie vom

Typus:

Die Blüten sind kleiner, intensiv dunkel rotpurpurn gefärbt (ähnlich Nigritella nigra), der Sporn ist erheblich kürzer als der Fruchtknoten.


Epipactis palustris

Sumpf-Stendelwurz 

Echte, Gemeine oder 

Weisse Sumpfwurz

frz.: Epipactis des marais;

it.: Elleborine palustre,

Mughetti pendulini

 Synonyme:

Hellebor. palustris (L.) SCHRANK, E. longifolia

ALL., Arthrochiliu. palustre G. BECK

Etymologie:

Lat. palus: Sumpf; lat. longus: lang; lat. folium:

Blatt.

Beschreibung:

Rhizom lang, kriechend. Stengel 10-70 cm hoch,  unten  kahl,   oben flaumig  behaart.  Unten 2-3 Schuppenblätter, darüber 4-8 länglich-lanzettliche Laubblätter, diese 7-18 cm lang, 1,5-4 cm breit, leicht rinnig, Nerven sehr ausgeprägt. Blütenstand bis 20 cm lang, lockerblütig. Blüten ziemlich gross, hängend.   Blütenblätter   anfangs    zusammenneigend,   eiförmig-lanzettlich,   Sepalen  aussen behaart,  grün,   intensiv  braunrot  überlaufen, 8-11 mm lang, Petalen stumpf, weiss-rosa mit rötlichem Grund, rot geadert. Lippe bis 12 mm lang, Hypochil sackförmig mit aufgerichteten dreieckigen Seitenlappen, weiss, rot geadert, am Grunde eine drüsige orangegelbe,   nektarproduzierende Zone, Epichil und Hypochil beweglich verbunden, Epichil rundlich, am Rande stark gewellt und gekerbt, weiss, am Grunde mit 2 grossen, gelbrandigen Wülsten. Fruchtknoten lang gestielt, flaumig behaart. Säule relativ lang, Klebkörper klein, von der Anthere verdeckt. Fremdbestäubung. 

Blütezeit Mitte Juni bis August.

Verbreitung:

In der temperaten und submeridionalen Zone Europas und Kleinasiens (Pontus), im Norden bis in die boreale Zone (Skandinavien), im Süden in die meridionale Zone (Süditalien, Nordgriechenland) vordringend, im Osten in der temperaten Zone bis Zentralsibirien, im Südosten bis in den Kaukasus, nach Südostanatolien und Persien.

Häufigkeit:

In   Feuchtbiotopen  oder  an   wechselfeuchten Standorten individuenreiche Bestände bildend.

Biotop:

Hang- und Flachmoore, Seeufer, wechselfeuchte Pfeifengraswiesen in Föhrenwäldern, auf ganzjährig oder zeitweise nassen Kalkböden. 

Vom Tiefland bis 1800 m.

Zytologie:

2n = 40, Material aus Schaffhausen [Meili-Frei 1965], weiter aus Holland, Polen, Skandinavien.

Hybriden:

Für die Schweiz nicht gemeldet.

Anmerkungen:

Epipact. palustris unterscheidet sich im Blütenbau von den anderen in der Schweiz wachsenden Epipactis-Arten: Das Hypochil ist nicht napfförmig, gerichteten Seitenlappen, es besitzt eine Nektar ausscheidende Leiste; Epichil und Hypochil sind beweglich miteinander verbunden; die Säule ist mittellang. Epipact. palustris  entwickelt oft nichtblühende Triebe. Im allgemeinen ist sie wenig variabel, selten treten Pflanzen mit weisslichgrünen Blüten ohne jede Rotfärbung auf.


Dactylorhiza traunsteineri

Traunsteiners Knabenkraut

Kuckucksblume/Fingerwurz  

frz.: Orchis de Traunsteiner  

Synonyme:

Orchis traunsteineri SAUTER ex REICHENB., Or­

chis angustifolia REICHENB., D. majalis subsp.

traunsteineri (SAUTER ex REICHENB.) SUNDER-

MANN

Etymologie:

Joseph   Traunsteiner   (18.12.1798-19.3.1850),

Apotheker in Kitzbühel (Tirol), machte sich um die

Kenntnis der Flora Nordosttirols verdient; lat. an-

gustus: eng, schmal; lat. folium: Blatt.

Beschreibung:

Pflanzen schlank, 10-40 cm hoch; Stengel dünn, in der Regel markig, im oberen Bereich kantig und rotviolett bis dunkelpurpurn überlaufen; Laubblätter (2) 3-4 (5), steil aufwärts gerichtet bis straff schräg abstehend, lineal-lanzettlich, schwach gekielt, rinnig bis gefaltet, 4-15 cm lang und 0,5-1,5 (2) cm breit, gefleckt oder ungefleckt, das oberste erreicht den Blütenstand nur selten; Blütenstand zylindrisch, 3-8 cm lang, locker- und wenigblütig, 5-15 (20) Blüten; Brakteen die Blüten manchmal etwas überragend, schmal-lanzettlich, bräunlichpurpurn; Blüten ziemlich gross, purpurrot; Lippe meist ziemlich tief dreilappig mit vorgezogenem Mittellappen, 6,5-10 mm lang und 7,5-12,5 (16) mm breit, im hellen Mittelteil mit akzentuiertem Schleifenmuster;  Sporn   konisch,  horizontal  bis leicht abwärts gebogen, 8-14 mm lang, 2-3,5 mm

dick, etwas kürzer als der Fruchtknoten.

Blütezeit Anfang Mai bis Ende Juli.

Verbreitung:

Die Angaben differieren je nach Auffassung über die Artabgrenzung. Das Vorkommen von D. traunsteineri im engeren Sinn beschränkt sich möglicherweise auf die Alpen und das Alpenvorland. Das vielgestaltige D.-traunsteineri-Aggregat zeigt hingegen eine weite, lückenhafte Verbreitung in der temperaten und borealen Zone Europas, in Grossbritannien und Skandinavien, in den Alpen und Pyrenäen und in der temperaten Zone Asiens bis Mittelsibiriens.

Häufigkeit:

Im Mittelland, in den Voralpen und in tieferen Lagen der Alpen verbreitet. Frühere Angaben aus mittleren und höheren Lagen der Alpen dürften sich z.T. auf D. lapponica beziehen.

Biotop:

Nährstoffreiche  Flachmoore,   Hangmoore  und Quellmoore,  auch wechselnasse  Magerwiesen auf kalk- oder basenreichen  Böden,   schattige, feuchte Rutschhänge.

Vom Tiefland bis 2100 m.

Zytologie:

2n = 80, Material von Aibis und  Üetliberg ZH [Heusser 1938]; weiter aus Estland, Grossbritannien, von der Halbinsel Kola und aus Kitzbühel in Tirol, dem Locus classicus.


Epipactis purpurata

yar. rosea

Violette Stendelwurz

Sumpfwurz/

Sitter, Violettrote Stendelwurz;

frz.: Epipactis pourpre,

Epipactis à feuilles sessiles

Synonyme:

E. violacea (DURAND-DUQ.) BOREALI, E. sessili-

folia PETERM., E. helleborine (L.) CRANTZ subsp.

varians  (CRANTZ)   SOÓ,  Helleborine  purpurata

(SM.) DRUCE

Etymologie:

Lat. purpuratus: purpurn; lat. sessilis: fest aufsit­

zend; lat. folium: Blatt; lat. violaceus: veilchenblau,

blauviolett; lat. varians: veränderlich.

Beschreibung:

Rhizom lang, verzweigt, oft mit mehreren (bis 10) dicht stehenden Trieben. Stengel steif, dick, kräftig, 20-80 cm hoch, dunkelgrün, violett überlaufen. Unten 2-3 scheidige Schuppenblätter, darüber 4-10 spiralig angeordnete Laubblätter. Grösste Laubblätter schmal eiförmig bis lanzettlich, relativ klein (immer einiges kürzer als 2 Internodien), 5-10 cm lang, 1,5-5 cm breit, beim Austrieb dunkelviolett, später graugrün. Blütenstand bis 30 cm lang, dicht-   und vielblütig, Achse graufilzig behaart. Tragblätter abstehend bis herabhängend. Blüten mit gestielten, behaarten Fruchtknoten, mittelgross, grünlich-weiss, schwach violett überlaufen.   Blütenblätter weit abstehend,   Sepalen 8-12 mm lang, eiförmig, aussen behaart, Petalen schmaler. Lippe 8-10 mm lang, Hypochil halbkugelig, innen violettrosa, Nektar führend, Epichil weisslich oder leicht rosa gefärbt, herzförmig, so lang wie breit, Spitze zurückgebogen, mit 2-3 glatten Schwielen. Klebkörper gut ausgebildet, weiss, kugelig geformt. Blüten schwach duftend. Fremdbestäubung.

Blütezeit Ende Juli bis Anfang September.

Verbreitung:

In der temperaten Zone West- und Mitteleuropas, ostwärts bis in die baltischen Staaten und ins Moldaugebiet, im Süden bis Norditalien, Nordjugoslawien und Rumänien.

Häufigkeit:

Im Mittelland und im Jura stellenweise häufig.

Biotop:

Schattige, frische bis feuchte Laubmischwälder auf kalkhaltigen, tiefgründigen Böden, auch Fichtenforste.

Vom Tiefland bis 1000 m.

2n = 40, Material aus Schaffhausen [Meili-Frei 1965],

Hybriden:

Mit Epipact. atrorubens (?), E. helleborine. 

Anmerkungen:

Epipact. purpurata bildet normalerweise keine nichtblühenden Sprosse. Im gleichen Gebiet blüht sie 2-3 Wochen nach Epipact.helleborine. Bei einer seltenen Form ist die gesamte Pflanze rosa gefärbt, ihr fehlt das Chlorophyll  [lus.  rosea

(ERDNER) SOÓ]. Unten die "Normale"



Violette Stendelwurz



Limodorum abortivum

Violetter Dingel

Entarteter Dingel;

frz.: Limodore à feuilles avortées;

it.: Fior legna, Fiammone

Synonyme:

Orchis abortiva L., Serapias abortiva SCOP., Epi-

pactis abortiva ALL., Neottia abortiva CLAIRV.,

Centrosis abortiva SWARTZ, Jonorchis abortiva

G .BECK

Etymologie:

Lat. abortus:   Früh-/Fehlgeburt, abortivus: Fehl­

geburt bewirkend.

Beschreibung:

Pflanze  stahlblau   bis  schmutzigviolett  gefärbt. Rhizom kurz, ziemlich dick, tief im Boden sitzend, mit fleischigen Wurzeln. Stengel 20-80 cm hoch, kräftig, feingestreift, mit  scheidigen Schuppen blättern, in der Wachstumsphase einem Spargelspross ähnlich, grüne Laubblätter fehlen. Blütenstand langgestreckt, ziemlich locker, bis 25blütig.

Blüten gross, purpurviolett, sich bei uns nur bei günstigen Witterungsbedingungen voll öffnend. Brakteen eiförmig-lanzettlich, verwaschen violett bis grün, länger als der Fruchtknoten. Sepalen eiförmig-lanzettlich, 16-25 mm lang und 5-11 mm breit, aussen grünlichviolett, innen hellviolett mit dunkleren Adern. Petalen kürzer und schmal lanzettlich. Lippe 14-22 mm lang, mehr oder weniger deutlich  zweigliedrig;   Hypochil  schmal,  kurz (4-7 mm), rinnig, mit hochstehenden Rändern und daher stielförmig wirkend. Epichil 10-15 mm lang und 7-12 mm breit, herzförmig, konkav mit hochgebogenen, welligen Rändern, in der Längsrichtung konvex gekrümmt und kräftig violett geadert, manchmal mit gelblich getönter Mittelzone. Sporn fast so lang wie der Fruchtknoten, manchmal auch etwas länger, 15-25 mm, abgeflacht zylindrisch, abwärts gerichtet, dem Fruchtknoten anliegend, hellviolett bis weisslich. Fruchtknoten 6kantig, allmählich in den kurzen Stiel übergehend, nicht gedreht.

Blütezeit Mai bis Mitte Juli.

Verbreitung:

Mittelmeergebiet, nach Norden ausstrahlend bis Belgien, Ungarn, CSFR, Polen, ostwärts bis Transkaukasien, Syrien, Palästina, Kleinasien, Krim, Kaukasus und Südpersien.

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Berghänge, lichte, sonnige Föhrenwälder, Eichenwälder,  dürre Hügel, Magerrasen, gern auf Kalk und tiefgründigen Böden, nur in sehr warmen Lagen.

Vom Tiefland bis 1500 m.

Zytologie:

2n = 64, ohne Herkunftsangabe; 2n = 56, Material aus Portugal, Sardinien.

Hybriden:

Keine.

Besonderheiten:

L. abortivum ist extrem mykotroph. Das Blattgrün fehlt fast völlig. Bei ausbleibendem Insektenbesuch findet Selbstbestäubung statt. In klimatisch ungünstigen Jahren ist schon unterirdische Knospen- und Samenbildung beobachtet worden.


Anteriorchis coriophora

Wanzen-Knabenkraut

frz.: Orchis fétide, Orchis punaise;

it.: Cimiciattola, Orchidea cimicina,

Cipolla

Synonyme:

Orchis coriophora L., 0. cimicinus CRANTZ, Or­

chis fragrans POLLINI, 0. coriophora subsp. fra-

grans  (POLLINI)   K.  RICHTER,  0.   coriophora

subsp. martrinii (TIMB.-LAGR.) NYM.

Etymologie:

Gr. coris: Wanze; phoros: tragend (die Blüten im

nördlichen Teil des Areals riechen nach Blattwanzen der Gruppe Pentatomidae); lat. fragrans: wohlriechend (die Blüten im südlichen Teil des Areals duften z.T. angenehm süsslich); lat. cimicinus:

Wanzen-; martrinii: Nach dem Finder Victor de Martrin-Donos (1801-1870), Toulouse.

Beschreibung:

Pflanze 10-40 (60) cm hoch; Grundblätter linealisch bis lanzettlich, rinnig gefaltet, bläulichgrün, ungefleckt, am Grund rosettenartig gehäuft; Blütenstand zylindrisch, dicht- und reichblütig; Brakteen häutig, weisslich oder grünlich mit grünen Adern, ungefähr so lang wie die Fruchtknoten; Blüten braun, rot, rosa oder grünlich mit grünen Adern,  nach  Blattwanzen   oder  (im  südlichen Areal) nach Vanille oder Mandeln duftend; Perigonblätter zu einem geschnäbelten Helm zusammenneigend, verklebt bis teilweise verwachsen; Lippe an der Basis quer zur Längsachse abwärts bis zurückgebogen, 4-6 mm lang, dreilappig, Mittellappen ganzrandig, etwas länger als die mehr oder weniger gezähnten Seitenlappen, basale Lippenpartie papillös behaart, heller gefärbt mit dunkelroten Punkten oder Flecken; Sporn kegelförmig, oft kräftig nach unten abgebogen, kürzer als der Fruchtknoten.

Blütezeit Mai bis gegen Ende Juli.

Verbreitung:

Süd-   und  Mitteleuropa  (nördlich   bis  Belgien), Russland,  Kaukasus,   Kleinasien,  Iran,  Syrien, Nordafrika. 

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Magerwiesen warmer Lagen, grasige, sonnige Hänge, etwas feuchte Wiesen, Sumpfwiesen, lehmige Böden, auch auf leicht sauren Böden.

Vom Tiefland bis 1500 m.

Zytologie:

2n = 38, Material au dem Comerseegebiet (Heusser 1938), weiter aus Sardinien.

Hybriden:

Mit Aceras anthropophorum, Anacamptis pyramidalis, Dactylorhiza incarnata, O. morio, O. ustulata supsp. Ustulata ( ?)

Problematik:

Die Lippengrösse, die Länge des Mittellappens, des Sporns und insbesondere des geschnäbelten Helms sowie der Duft der Blüten variieren im Gesamtareal beträchtlich. Extremformen unterscheiden sich oft auffällig, Zwischenformen sind aber überall häufig. Eine Aufgliederung in Unterarten ist darum fragwürdig. Die Art ist bisher zur Gattung Orchis gestellt worden. Sie weicht aber in einigen wesentlichen und auch sehr augenfälligen Merkmalen von den Orchis-Arten ab:

1.     Der Mittellappen der Lippe ist ungeteilt.

2.     Sepalen und Petalen sind verklebt bis verwachsen.

3.     Die Lippe ist quer zur Längsachse abwärts bis zurückgebogen, der Sporn gegen die Lippe gebogen; dementsprechend ist der Winkel zwischen Lippe und Sporn ausgesprochen klein.

4.     Der Sporn führt Nektar.

5.     Die Blütenfarbstoffe zeigen eine von der Gattung Orchis stark abweichende chemische Zusammensetzung.

6.    Der Blütenduft wirkt auf gewisse Insekten sexuell erregend.

Speziell aufgrund der Ergebnisse ihrer Farbstoffuntersuchungen haben sich Klein & Strack 1989 veranlasst gesehen, für Orchis coriophora und die ostmediterrane Orchis sancta eine eigene Gattung Anteriorchis zu etablieren. Auch  angesichts der grossen Zahl morphologischer Unterschiede zwischen Orchis und Anteriorchis scheint diese Massnahme gerechtfertigt


Platanthera bifolia

Weisses Breitkölbchen

Zweiblättrige Waldhyazinthe/

Kuckucksblume, Zweiblättriges

oder Weisses Breitkölbchen;

frz.: Orchis à deux feuilles,

Orchis papillon, Orchis parfumé;

it.: Bisorchis, Foglie d'uovo,

Cipolla da due foglie, Platantera bianca,

Orchidea di primavera, Testicolo di volpe

Synonyme:

P. solstitialis BOENNINGH., Orchis bifolia L, Gym-

nadenia bifolia G. F. W. MEYER

Etymologie:

Lat. bi-: zwei, zweifach; lat. folium: Blatt; lat. Solstitium:

Wendepunkt, Sonnenwende (Hinweis auf die Blütezeit zur Sommersonnwende).

Beschreibung:

Pflanze mit 2 eiförmig-länglichen, oft zu langen Wurzeln ausgezogenen Knollen. Stengel 15-80 cm hoch, hellgrün. 1-3 scheidige Schuppenblätter, 2 (selten 3-4) annähernd gegenständige grundständige Laubblätter, 1-4 lanzettliche, tragblattartige Stengelblätter. Laubblätter ungefleckt, hellgrün, oval bis breit-lanzettlich, 7-20 (25) cm lang, 1,5-5 cm breit. Blütenstand zylindrisch, bis 25 cm lang, locker und meist vielblütig. Tragblätter lanzettlich, so lang wie der Fruchtknoten.  Blüten weiss bis leicht gelblich. Seitliche Sepalen schieflanzettlich, stumpf, abstehend, 8-10 (12) mm lang

und 3-5 mm breit.  Mittleres Sepalum schlank herzförmig, 4,5-8 (10) mm lang, mit den Petalen helmförmig zusammengeneigt. Petalen sichelförmig gebogen, bis 8 mm lang und 1,5-3 mm breit. Lippe abwärts gerichtet, ungeteilt, zungenförmig, 8-15 mm lang und (1,5) 2-3 mm breit, an der Spitze grünlich. Sporn waagrecht, fadenförmig, dünn, 20-30 mm lang, viel länger als der Fruchtknoten. Pollenfächer eng beieinander liegend, parallel.

Blütezeit Mitte Mai bis Mitte August.

Verbreitung:

In fast ganz Europa und Vorderasien in der temperaten Zone verbreitet. im Südosten bis in den Kaukasus und nach Per­

sien.

Häufigkeit:

Stellenweise verbreitet.

Biotop:

Magerwiesen, Moore, lichte Föhrenwälder, Laubmischwälder,   Nadelwälder,  auf  trockenen   bis feuchten, humosen Böden, auf Urgestein und Kalk.

Vom Tiefland bis 2500 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus dem Kt. Zürich und aus dem Avers GR [Heusse.r 1938] sowie aus England, Finnland, Holland, Österreich, Polen, Südschweden.

Hybriden:

Mit Platanther. chlorantha, Gymnaden. conopsea (?).


Pseudorchis albida

Weisszunge

Weissliche Höswurz, Weisszüngel,

Weissorchis, Weisse Nacktdrüse;

frz.: Orchis blanchâtre, Orchis miel;

it.: Orchidea bianca minore

Synonyme:

Satyrium albidum L., Leucorchis albida (L.) E.H.F.

MEYER, Gymnadema albida (L.) L.C.M. RICHARD,

Bicchia albida PARL.

Etymologie:

Lat. albidus: weisslich,  mattweiss; gr.  leukos:

weiss; Bicchia: nach Cesare Biechi (1822-1906),

italienischer Botaniker.

Beschreibung:

Pflanze mit zwei tief gespaltenen Knollen. Stengel 10-30 (40) cm hoch. 4-8 Laubblätter, die unteren 2-8 cm lang und 1-2,5 cm breit, schräg aufwärts gerichtet, ungefleckt. Blütenstand 2-12 cm lang, zylindrisch, meist sehr dichtblütig, mit (6) 10-40 Blüten, Brakteen länger als die Fruchtknoten. Blüten weiss bis gelblich, etwa 5 mm im Durchmesser, eng der Blütenstandsachse anliegend, nickend. Sepalen 2,5-4 mm lang, Petalen wenig kürzer, Blütenblätter helmförmig zusammenneigend. Lippe  weisslich,   gelblich  oder  gelbgrünlich, 2,6-3,5 mm lang, 2-3 mm breit, dreilappig. Die drei Lippenlappen sind meist fast gleich lang, manchmal ist der mittlere länger als die seitlichen. Sporn zylindrisch, 2-3 mm lang, 1 mm dick, dem Fruchtknoten entlang gegen hinten abwärts gerichtet. 

Blütezeit Ende Mai bis Mitte August.

Häufigkeit:

Im Jura selten, in den Alpen verbreitet (Meine Funde stammen aus dem Kt. GL), stellenweise häufig. 

Verbreitung:

In Europa nördlich bis Island und ans Nordkap, östliche  und  südöstliche   Alpen,  Ostkarpaten, Nordbalkan, Pyrenäen, Grönland, Westsibirien, in Nordamerika auf Neufundland.

Biotop:

Kurzgrasige Wiesen und Triften auf etwas sauren, oberflächlich kalkarmen Böden in hohen Lagen, grasige  Hänge,   lockere Zwergstrauchbestände, Magerrasen,  Zwergstrauchheiden,  Hoch-   und Flachmoore in tieferen Lagen.

Von 600 m bis 2500 m.

Zytologie:

2n = 40, Material von der Halbinsel Kola; 2n = 42 Material aus dem Avers GR [Heusser 1938], sowie

aus Polen und Skandinavien.

Hybriden:

Mit Dacty. fuchsii,  Hermini.monorchis (sehr zweifelhaft), Gymnaden. conopsea, G. odoratissima, Nigrit. nigra, N. rubra.


Orchis pallens

Bleiches Knabenkraut

Synonym:

O. sulphurea SIMS

Etymologie:

Lat. pallens: blass, bleich; lat. sulphureus: schwefelgelb.

Beschreibung:

Pflanze 15-40 cm hoch; 4-6 elliptische bis verkehrteiförmige, ungefleckte Laubblätter Breite in 

oder über der Mitte) in einer grundständigen Rosette, 1-2 scheidenförmige Blätter in der 

unteren Stengelhälfte, glänzend, lebhaft grün, ungefleckt, 6-12 cm lang und 1,5-4 cm breit; 

Blütenstand eiförmig-zylindrisch, dicht- und reichblütig; Brakteen grünlich, durchscheinend, 

ungefähr so lang wie oder länger als die Fruchtknoten; Blüten hellgelb, intensiv und 

unangenehm nach Katzenurin duftend; seitliche Sepalen breit eiförmig, schräg oder senkrecht 

aufgerichtet und nach aussen gedreht, mittleres Sepal über die zusammenneigenden  Petalen  

gebogen;  Lippe satter gelb, ohne Zeichnung, fast flach oder schwach längs oder auch quer 

gewölbt, 6-11 mm lang und 7-14 mm breit, fast ungeteilt bis seicht dreilappig, Seitenlappen abgerundet, Mittellappen schwach gespalten bis ausgerandet, etwas vorgezogen; Sporn horizontal bis aufwärts gebogen, 7-14 mm lang, stumpf.

Blütezeit: April bis Mitte Juni.

Verbreitung:

Südöstliches und zentrales Europa, Krim, Transkaukasien, Kleinasien, Polen, Karpaten.

Häufigkeit:

Selten; gebietsweise verbreitet (z.B. im Kt. Schaffhausen und im Churfirstengebiet).

Biotop:

Lichte Laubmischwälder, seltener Nadelwälder, Bergwälder, sonnige, südexponierte Bergwiesen, zwischen Zwergsträuchern, nur in warmen Lagen, liebt Halbschatten, auf humosen, kalkhaltigen Böden. Vom Tiefland (500 m) bis 2000 m.

Zytologie:

2n = 40, Material aus Herblingen SH und vom Nordufer des Walensees [Heusser 1938]; 2n = 42 (nach Sundermann 1980).

Hybriden:

Mit Orchis mascula, O. provincialis, Dactylorhiza sambucina (?).

Problematik:

Bei der gelegentlich erwähnten roten O. pallens dürfte es sich um eine Hybride handeln – auch wenn der eine, nämlich O. mascula, im entsprechenden Gebiet nicht mehr nachgewiesen ist. Wo O. pallens (oder 0. provincialis) und 0.

mascula (bzw. signifera) gemeinsam ein Biotop besiedeln, treten  regelmässig Bastarde auf, bei welchen in der Blütenfarbe das Mascula-Rot in allen Nuancen dominiert.

Anmerkung:

Die relativ frühe Blütezeit wirkt sich beim Auftreten von starken Spätfrösten Ende März bis Ende April negativ aus. Blätter mit Frostschäden oder gar Verlust der Blühfähigkeit und/oder der Fruchtbildung sind in ungünstigen Jahren keine Seltenheit.


Orchis palustris

Sumpf-Knabenkraut

Synonyme:

O. mediterrania GUSS, O. laxiflorasubsp. Palustris (JACQ.) BONNIER & LAYENS, 0. laxiflora

var. palustris M.-BIEB.

Beschreibung:

Pflanze 15-50 (im Mittelmeergebiet bis 100) cm gross; Blätter linealisch-lanzettlich, über den 

ganzen Stängel verteilt, vom Grunde an verschmälert,  blaugrün, 0.5-1.5 (2) cm breit, straff 

aufwärts gerichtet, rinnig bis gefaltet, aber ohne deutlichen Kiel auf der Rückseite; Blütenstand 

zylindrisch, mehr oder weniger lockerblütig; untere Brakteen länger als die Fruchtknoten, grün, 

krautig; Blüten dunkelrosa, rot bis violettpurpurn, die oft weissliche basale Lippenpartie sich 

gegen unten verschmälernd und dunkelrot gefleckt oder punktiert; seitliche Sepalen 

hochgeschlagen; Lippe 8.5-16 mm lang und 11.5-18 mm breit, dreilappig, Mittellappen 

zweilappig oder tief ausgerandet bis verkehrt  herzförmig,  länger   als  die  flach   ausgebreiteten 

oder schräg abwärts geschlagenen Seitenlappen; Sporn zylindrisch, leicht abwärts, waagrecht 

oder aufwärts gerichtet, gerade oder leicht gebogen, 10.5-18,5 mm lang und 1.8-2.6

mm dick, stumpf endend.

Blütezeit: Mai bis Juni

Verbreitung:

Südliches, westliches und mittleres Europa (nördlich bis Gotland, südwärts bis nach Spanien, Nordwestafrika, Süditalien, Griechenland, Kreta), Vorderasien,  Kaukasus, Arabische  Halbinsel,   Südwestrussland.

Häufigkeit:

Selten.

Biotop:

Feuchtbiotope, torfige, sumpfige Wiesen, nie austrocknende Flachmoore an Quellen oder Seeufern, Schilfbestände, reagiert empfindlich auf Änderungen des Wasserhaushaltes; an den Küsten des Mittelmeergebietes salzverträglich.

Nur im Tiefland bis 500 m.

Zytologie:

2n = 42, Material aus dem Glattal ZH [Heusser 1938],

Hybriden:

Mit Orch. laxiflora, O. morio, Dactylorhiza incarata (?), D. majalis (?).

Diese Art ist schweizweit verletzlich und vollständig geschützt. Im Kanton Zürich ist sie, mit 8 Flächen, sehr selten anzutreffen.

Gemäss Berner Konvention ist sie in folgenden Kantonen

teilweise geschützt: ----------

vollständig geschützt: AG, BE, FR, GE, VD, ZH

(Diese Aufnahme entstand am Greifensee.)

 


Epipactis microphylla

Kleinblättrige Stendelwurz

Synonym:

Hellebor. microphylla (EHRH.) SCHINZ &THELUNG

Beschreibung:

Rhizom kurz, selten mit mehreren Trieben, Stengel 15-45 cm hoch, dicht graufilzig behaart. Am 

Grund 2-3 Schuppenblätter, darüber 3-12 kleine Laubblätter, diese in der Regel kürzer als die 

Stengelabschnitte, am Grunde mit kurzer Scheide, schmal-lanzettlich bis eiförmig, 2-5 cm lang 

und 0.5-3 cm breit, die oberen linealisch. Blütenstand locker - und ziemlich armblütig. Blüten 

klein, nickend.  Blütenblätter graugrün,  oft leicht violett überlaufen,  aussen   kraus  behaart,  

mehr oder weniger zusammenneigend,  Sepalen   eiförmig, 6-8 mm lang, Petalen kleiner, oft 

stärker rotviolett überlaufen als die Sepalen. Lippe bis 6 mm lang, Hypochil weisslich, innen rosa 

oder gelblichweiss, meist Nektar führend, Epichil rundlich, kaum zugepitzt, am Rand gekerbt, mit 

runzelig-warzigen Höckern.   Fruchtknoten  stark behaart,  gestielt.   Klebkörper vorhanden. 

Beobachtungen über Insektenbestäubungen fehlen weitgehend.

Blütezeit: Mitte Juni bis Anfang August

Verbreitung:

Europa und Westasien in der montan-meridionalen und südlichen temperaten Zone, im Osten bis in den Kaukasus und nach Nordpersien.

Häufigkeit:

Sehr selten, möglicherweise oft übersehen.

Biotop:

Trockene, unterwuchsarme Buchenwälder, seltener Nadelwälder, oft auf steilen, laubfreien Stellen und entlang von Waldwegen, auf kalkhaltigen Böden warmer Lagen. Vom Tiefland bis 1300 m.

Zytologie:

2n = 40, Material aus Schaffhausen [Meili-Frei 1965], weiter aus Dänemark.

Hybriden:

Mit Epipact. atrorubens, E. helleborine.

Anmerkungen:

Epipactisa microphylla entwickelt nur blühende Sprosse. Sie ist gut an den sehr stark reduzierten Blättern zu erkennen. Diese reichen kaum aus, die Pflanze mit den notwendigen Aufbaustoffen zu versorgen. Epipactis microphylla ist daher sehr stark mykotroph.

Gefährdung: 

Diese Art ist schweizweit potenziell gefährdet und vollständig geschützt. Im Kanton Zürich ist sie sehr selten und nur in 6 Flächen anzutreffen.

Gemäss Berner Konvention ist sie in folgenden Kantonen

teilweise geschützt: SO

vollständig geschützt: AG, BE, FR, GE, GR, JU, NW, OW, VD, ZG, ZH, TI, AI, BL

(Diese Aufnahme entstand am Irchel.)


Herminium monorchis

Einorchis, Einknollige Honigorchis

Synonym:

H. clandestinum GREN. & GODR., Ophrys monor-

chis L., Orchis monorchis ALL.

Beschreibung:

Zur Blütezeit nur eine einzige, kugelige Knolle. Stengel blassgrün, 7-30 cm hoch. Am Grunde 1-2 

eng anliegende Schuppenblätter, wenig darüber 1-2, seltener 3-4 eiförmige bis eiförmig-

lanzettliche, etwas rinnige, 2-10 cm lange Laubblätter, am Stengel bis 2 tragblattartige Blätter. 

Blütenstand 2- 10 cm lang mit 10-70 Blüten. Blüten klein, nikkend, gelbgrün, nach Honig duftend. 

Tragblätter klein, kaum so lang wie der Fruchtknoten. Blütenblätter zusammenneigend, Spitzen 

leicht auswärts gebogen.  Sepalen  eiförmig-lanzettlich,  stumpf, 2-3 mm lang, Petalen länglich-

lanzettlich, im hinteren Drittel beidseitig gezähnt, bis 4 mm lang. Lippes pornlos,  3,5-4,5  mm   

lang,  mit  langem   und schmalem Mittellappen, am Grund mit schüsselförmiger, angedeutet 

spornähnlicher Aushöhlung, im hinteren Drittel mit 2 zahnförmigen bis linealischen Seitenlappen.

Blütezeit: Mitte Mai bis Mitte August

Verbreitung:

In Europa in der temperaten Zone, im Süden bis in die submeridionale Zone des Balkans und Italiens vordringend, im Norden bis nach Südskandinavien und Grossbritannien, in Asien bis in den Kaukasus und in der temperierten Zone durch den Himalaya und die chinesischen Gebirge bis Japan.

Häufigkeit:

In Jura, Mittelland und im Tessin selten, in den Voralpen und Alpen zerstreut.

Biotop:

Trockene bis feuchte Wiesen, Bergweiden, Hang und Flachmoore, meist auf Kalkböden. Vom Tiefland bis 1800 m.

Zytologie:

2n = 40, Material aus Robenhausen ZH [Heusser 1938], Holland.

Hybriden:

Mit Pseudorch. albida (sehr fraglich).

Anmerkungen:

Herminium monorchis hat zur Blütezeit nur eine Knolle. Nach dem Abblühen entwickeln sich aus den Achseln der untersten Schuppenblätter ein oder zwei Ausläufer (Stolonen). Sie werden bis 20 cm lang. An ihrem Ende wächst eine neue Knolle für den nächstjährigen Trieb. Durch diese vegetative Vermehrung bildet Herminium monorchis oft grössere Gruppen.

Gefährdung: 

Diese Art ist schweizweit verletzlich. Im Kanton Zürich ist sie sehr selten und nur in 10 Flächen anzutreffen.

Gemäss Berner Konvention ist sie in folgenden Kantonen

teilweise geschützt: SO

vollständig geschützt: AG, AI, BE, FR, GE, GL, GR, JU, OW, VD, ZG, ZH, TI, BL

(Diese Aufnahme entstand im Wappenswilerriet (Tösstal).